Sport : Schrecken vor dem Ende

Nach Dopingfall Kohl hört Gerolsteiner sofort auf

Berlin - Die Namen mag man sich schon länger nicht mehr alle merken, und doch hat jeder einzelne Dopingfall im Radsport etwas Besonderes. So auch der von Bernhard Kohl, in dessen Proben von der Tour de France nachträglich das Blutdopingmittel Cera festgestellt worden ist. Nicht, weil Rudolf Scharping dem Fachblatt „Radsport“ sagt, „das ist jetzt endgültig ein Überlebenskampf“ und „da ist kein Platz mehr für Gefühle, da zählt nur noch konsequentes Handeln“. Das macht der Präsident des Bunds Deutscher Radfahrer immer in solchen Fällen, eine Steigerung der Wortwahl scheint in dieser Rhetorik schon länger nicht mehr möglich. Und auch nicht, weil Bernhard Kohl Doping leugnet. Am Dienstag beantragte der Österreicher die Öffnung der B-Probe.

Bemerkenswert am Fall des Profis vom Team Gerolsteiner ist zum einen, dass er nach einem Bericht der Sportzeitung „L’Équipe“ der letzte Dopingfall sein soll, den die französische Anti-Doping-Agentur AFLD bei ihren nachträglichen Tests der eingefrorenen Blutproben der Teilnehmer der Tour de France 2008 festgestellt hat. Zum anderen hat er seinen Chef Hans-Michael Holczer dazu gebracht, aufzugeben. „Ich ziehe mich aus dem Profiradsport zurück. Ich passe nicht in dieses System“, sagte Holczer. „Der Fall Kohl hat mir meine Macht- und Hilflosigkeit erneut vorgeführt, ich kapituliere vor der kriminellen Energie.“

Vor einer Woche war bekannt geworden, dass in Proben seines Profis Stefan Schumacher von der Tour Cera gefunden worden ist. Schumacher hatte zwei Etappen gewonnen und zwei Tage lang das Gelbe Trikot getragen, Kohl war in der Gesamtwertung überraschend Dritter geworden und hatte das gepunktete Trikot des besten Bergfahrers gewonnen. Beide hatten bereits Vertragsabsprachen mit neuen Teams für das nächste Jahr, die diese aber nun für nichtig erklärt haben. Nach Kohls positiver Probe sagte Holczer den Start des Teams bei der Lombardei-Rundfahrt am kommenden Samstag ab, die letzte Fahrt des Teams Gerolsteiner, das sich ohnehin auflöst, fällt aus. Nicht nur aus Enttäuschung oder Wut, denn nach dem Kodex der besten Teams muss ohnehin eine Wettkampfpause einlegen, wer zwei Dopingfälle in seinem Rennstall hat. „Selbst-Suspension – das habe ich zum Abschluss nun wirklich nicht verdient“, sagte Holczer, der eigentlich weiter im Radsport tätig sein wollte.

Laut Kohls Mannschaftskollegen Markus Fothen ist „der Tiefpunkt wohl immer noch nicht erreicht“. Kohl habe während der Tour „mit Tränen in den Augen wie wir alle auf die Doper gewettert, die uns alles kaputtmachen“. Vielleicht ist ja doch noch eine Steigerung in der Rhetorik möglich. klapp/dpa

Porträt Hans-Michael Holczer: Meinungsseite

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