Sport : Schreien und siegen

Die deutschen Skilangläufer sind erfolgreich wie noch nie

Andreas Kürten

„Laufen, laufen, laufen!“, schreit Jochen Behle und rennt neben seinen Athleten her. „Beißen, beißen! Gas!“ Der Bundestrainer im Skilanglauf ist unermüdlich. Und seine Läufer sind es auch. Vor dem Weltcup der nordischen Skisportler am Wochenende in Davos sind die Deutschen so gut wie nie.

Behle ist für seine leidenschaftlichen Anfeuerungsrufe an der Loipe bekannt. Und für seinen wachsenden Erfolg. Das Resultat des 30-km-Jagdrennens der Herren beim letzten Weltcup in Kuusamo (Finnland) war historisch: Fünf Deutsche waren unter den ersten sieben platziert – und Axel Teichmann war vorne. „Du musst mental darauf eingestellt sein, nicht nur mitzulaufen, sondern auf Sieg zu gehen“, sagt Behle. „Dieses Denken haben unsere Athleten inzwischen intus.“ Der ehemalige Läufer ist seit 1999 Bundestrainer. Seine Motivation ist Psychologie.

Das läuferische Potenzial für Spitzenplätze wird bei den deutschen Langläufern immer besser sichtbar. René Sommerfeldt, Bronzemedaillengewinner bei Olympia in Salt Lake City, belegte bei der Weltmeisterschaft in Val di Fiemme mit der Staffel einen zweiten Platz. Im Weltcup musste er dem Norweger Frederiksson den Vortritt lassen. Teichmann landete im Gesamtweltcup auf Rang vier. Diese beiden sieht Behle auch in der laufenden Saison als Favoriten: „Zwei unserer Jungs haben das Potenzial für die Podestplätze im Gesamtweltcup: Sommerfeldt und Teichmann.“ Im Moment liegt Sommerfeldt auf Rang eins und Teichmann auf Platz drei. Mit dem Erfolgsdruck geht der eher zurückhaltende Axel Teichmann gelassen um: „Eigentlich wollte ich nur dreimal aufs Treppchen. Da ich jetzt schon zweimal drauf war, muss ich die angepeilte Quote wohl verdoppeln.“

Auch die Frauen sind erfolgreich – vor allem Claudia Künzel und Evi Sachenbacher. Am vergangenen Wochenende stürmten sie gemeinsam beim Teamsprint in Toblach auf Platz zwei. Künzel liegt im Weltcup aussichtsreich an vierter Stelle. Und Evi Sachenbacher ist nach gesundheitlichen Problemen unerwartet gut in Form. In Kuusamo vor zwei Wochen nutzten die deutschen Frauen ihre freie Zeit, um die Männer in der Loipe anzufeuern und sogar zu verpflegen. Behle freut sich darüber: „Ich lege großen Wert auf ein homogenes Team, in dem sich jeder für den anderen freut. Nur wer positiv motiviert ist, kann Leistung bringen.“ Trainer Behle macht Arbeiten Spaß. Schreien gehört dazu.

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