Sport : Schreien und trauern

Afsoon Amirfallah zeigt im Sulky Emotionen

Heiko Lingk
Immer vorneweg. Die Iranerin Afsoon Amirfallah ist 38 Jahre alt und hat schon 370 Rennen gewonnen. Mit ihren Pferden verbindet sie eine große Zuneigung. Foto: Lingk
Immer vorneweg. Die Iranerin Afsoon Amirfallah ist 38 Jahre alt und hat schon 370 Rennen gewonnen. Mit ihren Pferden verbindet sie...

Berlin - An ihren ersten Sulkysieg kann sich Afsoon Amirfallah noch gut erinnern. „Der gelang mir mit dem Traber Scanlon“, sagt die 38-jährige Iranerin, die mit zwölf gemeinsam mit ihren Eltern nach Deutschland gezogen war. „Ganz ehrlich: Scanlon ähnelte eher einem Kamel, als einem edlen Rennpferd“, sagt sie schmunzelnd, „normalerweise ging ihm schon nach der Hälfte der Strecke regelmäßig die Puste aus.“ Scanlons Rennbilanz war erschreckend und keiner der wettenden Zuschauer rechnete mit dem krassen Außenseiter – schon gar nicht mit der unerfahrenen Amazone im Sulky. Doch dann geschah etwas Ungewöhnliches: Als es auf die letzte Kurve zuging, lag der Wallach immer noch in Front. „Ich konnte es nicht fassen und habe im Sulky vor lauter Aufregung geschrien“, erinnert sich Afsoon Amirfallah. „Wahrscheinlich hat der Wallach deswegen einfach einen Riesenschreck bekommen. Er zog auf und davon und gewann überlegen.“

Mittlerweile hat sich vieles verändert: Wenn die Iranerin am Freitag beim „Derby-Championat der Ladies“ auf der Trabrennbahn Mariendorf als Mitfavoritin an den Start geht, wird sie nicht mehr vor Aufregung schreien. Obwohl ihre Emotionalität und ihr offensiver Fahrstil geblieben sind.

Aber die Statistik hat sich seit ihrem ersten Sieg mächtig verändert: Mittlerweile hat Afsoon Amirfallah 370 Rennen und 575 00 Euro Preisgeld gewonnen. Ihre Bilanz ist exquisit: Bei den 1574 Starts ihrer Karriere steuerte die Amazone ihre Pferde zu 72 Prozent auf Sieg oder Platz. Sie galt auch bei der deutschen Amateur-Meisterschaft in Mariendorf mit dem Hengst Mephisto SAS als Mitfavoritin. Allerdings ist das Pferd am Dienstag von der Koppel abgehauen und verletzte sich dabei. Der Start ist fraglich, weshalb Afsoon Amirfallah in Mariendorf wohl eher mit Lavinium SAS starten wird.

Auf ihre Einsätze bereitet sich Afsoon Amirfallah akribisch und mit viel Ehrgeiz vor. Ihr ehemaliger Lebensgefährte, der achtmalige Derby-Sieger Heinz Wewering, sagt: „Sie ist mindestens genauso eifrig wie ich.“ Doch es gibt auch Unterschiede: Wenn die Amazone über ihre Traber spricht, wählt sie Worte, die vielen männlichen Sulkyfahrern fremd sind.

Ihre Pferde nennt sie „Schatz“. Mit dieser Zuneigung steht Afsoon Amirfallah nicht alleine, andere Amazonen empfinden ebenso. Wenn Frauen im Sulky Platz nehmen, wollen sie gewinnen. Aber manchmal steht die Liebe zu den Tieren der Karriere auch im Weg. Als Afsoon Amirfallahs liebstes Pferd, der Hengst Koko Lobell, 2008 überraschend verstarb, konnte sie sich aus Trauer Monate lang nicht mehr in den Sulky setzen. „Das hatte mir das Herz gebrochen“, sagt sie.

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