Sport : Schreiend vor Glück

Van der Vaart kehrt zurück, der HSV siegt wieder

Karsten Doneck

Berlin - Die letzte Viertelstunde fieberte Rafael van der Vaart von der Auswechselbank aus mit. Seine Emotionen zügelte er dort nur mühsam. „Ich hätte vor Glück schreien können“, schilderte der Spielmacher des Hamburger SV jene Szene, in der Paolo Guerrero die Linksflanke von Juan Pablo Sorin mit fast artistischer Körperhaltung ins Tornetz stieß. Ein Treffer, eine Erlösung: Nach 14 Pflichtspielen ohne Sieg holte der HSV mit dem 2:1 (0:1) bei Bayer Leverkusen wieder mal drei Punkte, und van der Vaart freute sich: „Endlich hat es geklappt.“

Nach achtwöchiger Verletzungspause wegen eines Sehnenanrisses im Oberschenkel war van der Vaart erstmals wieder in einem Bundesligaspiel zum Einsatz gekommen – solange die Kräfte reichten. Nach 75 Minuten musste er, sichtlich ermattet von seinem großen Arbeitspensum, Mario Fillinger weichen. Ein Lob des Trainers handelte sich van der Vaart trotzdem ein. „Er hat gleich wieder Ruhe und Ordnung in unserer Spiel gebracht“, sagte Thomas Doll.

Unter den Misserfolgen der vergangenen Wochen hatte die Spielkultur des HSV Schaden genommen. Die Verkrampfung fast aller Spieler hemmte immer wieder den Kombinationsfluss, der Tiefpunkt war mit dem 1:4 in der Champions League beim FC Porto erreicht. Doch in Leverkusen fand der HSV zurück zur selbstbewussten Spielweise der vorigen Saison. Doll stellte fest: „Wir haben richtig gut den Ball laufen lassen.“ Das Lob galt auch van der Vaart, der zeigte, wie sehr seine Spielintelligenz und Übersicht zuletzt beim HSV vermisst wurden. Fast wäre der niederländische Nationalspieler zum Vorbereiter der 1:0-Führung für die Hamburger geworden, doch seinen präzisen Eckball köpfte Danijel Ljuboja an den Innenpfosten des Bayer-Tores.

Nur 23 von 42 möglichen Bundesligaspielen hat Rafael van der Vaart seit seinem 5,1 Millionen teuren Wechsel von Ajax Amsterdam nach Hamburg für seinen neuen Klub bestritten. Mit ihm holte der HSV 50 Punkte. In den 19 Spielen aber, in denen er verletzt oder wegen einer Rot-Sperre fehlte, nur 26 Punkte.

Doll erwartet von dem 23-jährigen Mannschaftskapitän nach dem Auftritt in Leverkusen sogar noch Steigerungen. „Rafael ist nach seiner langen Verletzung erst bei 60, 70 Prozent“, sagt Doll. An van der Vaart soll’s nicht scheitern. Der sagt: „Ich habe mich schon wieder sehr wohlgefühlt.“

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