• Schriftsteller Andreas Maier im Interview: "Ich war nie ein so großer Bayern-Hasser"

Schriftsteller Andreas Maier im Interview : "Ich war nie ein so großer Bayern-Hasser"

Andreas Maier ist glühender Verehrer der Fußballmannschaft von Eintracht Frankfurt. Das deutsche Champions-League-Finale zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund interessiert den Schriftsteller trotzdem.

Andreas Maier, 45, studierte Altphilologie, Germanistik und Philosophie in Frankfurt am Main. Seine viel beachteten Romane erscheinen im Suhrkamp-Verlag.
Andreas Maier, 45, studierte Altphilologie, Germanistik und Philosophie in Frankfurt am Main. Seine viel beachteten Romane...Foto: dpa

Andreas Maier, Bayern München gegen Borussia Dortmund – ein würdiges Endspiel in der Champions League? Oder vielleicht ein wenig provinziell?

Es spielen immerhin zwei Champions-League-Sieger gegeneinander. Wobei Dortmund unter Klopp natürlich so eine Art Groß-Mainz spielt, wenn auch mit ganz anderen Finanzen. Die Bayern haben derzeit allen Respekt, überall. Ehrlich gesagt, eine andere Paarung aus den Halbfinalspielen hätte mich ein weniger interessantes Spiel erwarten lassen. Ich sage das nicht, weil es eine rein deutsche Paarung ist. Aber die Gegner kennen sich gut, alle wissen, was auf sie zukommt. Die einen sind die professionellen Titelsammler, die anderen sind hungrig. Sehr hungrig. Und das sind die Bayern auch.

Wie sehr hat Sie die diese Finalpaarung überrascht?

Daß Dortmund so weit kommt und sich da durchspielt, überraschte uns zuerst ja alle. Aber sie haben jetzt ihr Niveau aus der Liga internationalisiert. Wie sie spielen, gehören sie absolut da hin. Die Bundesliga ist in den Spitzenvereinen nun einmal verdammt gut geworden. Nicht nur konkurrenzfähig, sondern schon eher Richtung derzeitiger Dominanz. Schauen wir mal zehn Jahre zurück auf den Fußball in Deutschland! Gruselig.

Ein Finale in der Champions League mit zwei deutschen Klubs hat es noch nie gegeben. Ist Ihre Vorfreude auf dieses Spiel auch historisch?

Nein. Ich bin Eintracht-Frankfurt-Anhänger. Ich habe aber nach dem zweiten Spiel der Bayern gegen Barcelona ich habe beide nicht gesehen und in der Kneipe davon erfahren zu meiner Frau gesagt: Das ist schon historisch und wird mit Sicherheit auch allgemein so empfunden werden. So war es dann ja auch. Vergleichbar mit der Eintracht gegen Glasgow (Europapokal der Landesmeister 1960. Frankfurt gewann im Halbfinale 6:1 und 6:3 gegen die Rangers, Anm. d. Redaktion).

Welche Erwartungen haben Sie nun an dieses Spiel?

Naja, das sind ja traditionellerweise schlicht und ergreifend Schlachten zwischen diesen beiden Mannschaften. Immer, sozusagen mit Garantie. Es wird einfach ein gutes Spiel werden, auch für den unbeteiligten Betrachter.

Was macht für Sie den Reiz aus an dieser Paarung?

Wie gesagt, die Spiele beider Mannschaften gegeneinander sind seit langer Zeit äußert interessant. Wer die Bundesliga verfolgt, weiß das. Ob sich die Zuschauer in anderen Ländern groß dafür interessieren, keine Ahnung. Sie haben diese Paarung dann eben nicht über Jahre verfolgt. Aber ich denke, viele sind aufmerksam geworden auf den Fußball, der hier derzeit gespielt wird.

Zu welcher Mannschaft haben Sie den besseren Draht: Bayern oder Dortmund?

Töten Sie mich. Zu den Bayern. Das hat schon seine Gründe, würde aber hier zu weit führen. Ich rede nicht von Uli Hoeneß, auch das würde zu weit führen. Ich will es an Details festmachen. Ich habe Miroslav Klose wirklich gemocht, und ich finde Thomas Müller einfach in jeder Hinsicht außergewöhnlich und bereichernd. Aber das sind nicht die Gründe. Ich war nie ein so großer Bayern-Hasser. Aber das wäre, wie gesagt, ein langes Thema.

Sie sind Fan von Eintracht Frankfurt. Wie sehr wird Sie also dieses Spiel mitreißen können? Ist es vorstellbar, dass Sie bei einem Tor aufspringen und jubeln, bei einer Fehlentscheidung aufschreien, bei einem verschossenen Elfmeter gerührt sind?

Ich bin auch kein Anhänger der deutschen Nationalmannschaft, absolut nicht. Trotzdem bin ich beim Spiel gegen Argentinien aufgesprungen, habe stehend applaudiert, war vollkommen begeistert und habe es als eine Art Wiederauferstehung empfunden. Aber wirklich Freude können Sie nur empfinden, wenn dahinter ein möglicher großer Schmerz lauert. Ich bin kein Fan einer dieser Mannschaften, mir kann an diesem Spiel nichts wehtun, und ich werde weder eine Niederlage miterleben noch einer solchen davonkommen. Das zu schauen ist für mich wie Urlaub.

Werden Sie denn mit einem Spieler besonders mitfiebern? Mit Mario Götze, der seinem zukünftigen Klub die ganze Saison versauen könnte? Mit Bastian Schweinsteiger, der endlich seinen ersten großen Titel holen könnte? Mit Jupp Heynckes? Mit Pep Guardiola?

Nein, ich werde bei dem Spiel nicht mitfiebern. Dafür reichen die Sympathie- oder Unsympathie-Grade nicht. Ich sage ja auch nicht, dass mir bei den Bayern allzuviel sympathisch ist, sie sind nur eben kein Feindbild für mich, die Dortmunder auch nicht so sehr wie einige andere Vereine. Aber ich glaube einfach, dass wir sehr guten und sehr umkämpften Fußball sehen werden.

Herr Maier, wie wird das Spiel am Sonnabend ausgehen?

Ich habe Eintracht Frankfurt gegen den VfL Wolfsburg 0:3 getippt. 2:2 ging es aus (letzter Bundesliga-Spieltag am vergangenen Wochenende, Anm. d. Redaktion). Ich stehe jetzt noch wie unter Drogen. Ich will zur Zeit eigentlich nichts mehr mit Fußball zu tun haben. Ich hatte eine Veranstaltung in Österreich, saß auf der Bühne, vor mir das Telefon, ein Freund schrieb mir laufend aus dem Stadion Zwischenstände von den uns betreffenden Paarungen und von der Eintracht selbst. Ich las Thomas Bernhard, Frost. Währenddessen spielte die Eintracht um Europa. Es geht kaum schlimmer. Ich bin am Ende. Ich gebe keinen mehr Tipp ab. Aber ich wünsche mir einen gewissen Spielverlauf. So etwas wie ein 3:3 oder gar 4:4 und dann natürlich ein Drama-Ende bis zum letzten Elfer. Und noch irgend so ein tragischer Großer, der das versemmelt. Also ein Spiel, nachdem man mich bei der Eintracht wiederbeleben müsste. Aber ich wäre vermutlich einfach endgültig tot.

Die Fragen stellte Benjamin Apitius.

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