Schriftsteller und Fußball : „Uns Israelis fehlen Bücher über Fußball“

Assaf Gavron, einer der bekanntesten Schriftsteller Israels, im Interview über Sport und Politik in Israel - und über das Spiel der israelischen Autoren-Nationalelf gegen Deutschland.

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Asaaf Gavron.Foto: promo

Assaf Gavrons letzter Roman „Ein schönes Attentat“ (Luchterhand) erzählt die Geschichte eines Israelis, der drei Anschläge palästinensischer Extremisten überlebt. Gavron war im Schreibteam des Computerspiels „Peacemaker“, das den Nahostkonflikt simuliert und Wege zum Frieden aufzeigt. Er ist auch Gründer und Spielführer der israelischen Fußball-Autorennationalmannschaft, die heute bei Tel Aviv auf das deutsche Team trifft.

Herr Gavron, wie wollen Sie die deutsche Mannschaft schlagen?


Wir haben keine Angst mehr wie noch beim Hinspiel im Mai in Berlin. Das war ja unser erstes Match als israelische Autorennationalmannschaft – und dann gleich gegen die große Fußballnation Deutschland. Dafür war die 2:4-Niederlage ein richtig gutes Ergebnis. Seitdem trainieren wir regelmäßig, haben uns verstärkt.

Gibt es keine Probleme mehr?

Doch, im Trainerbereich. Wir haben erst ein Spiel, aber schon den dritten Trainer.

Warum?

In Israel ist alles zeitaufwendig und weniger organisiert als in Deutschland. Und ohne Bezahlung ist es schwer, einen Trainer zu finden. Wir erhalten ja, anders als die deutschen Autoren, keine Unterstützung. Israel ist ein armes Land, wenn es um Kultur- und Sportförderung geht.

Spielen Sie gerne gegen Deutschland?

Wenn Deutsche und Israelis aufeinandertreffen, ist das immer etwas Besonderes. Auch im Fußball. Ich bin froh, dass wir gegen Deutschland debütiert haben. Und auch noch auf dem Olympiagelände in Berlin, wo die Nazis 1936 ihre Olym pischen Spiele inszenierten. Das war für uns schwierig, aber wichtig.

Auch in Tel Aviv wird nach dem Spiel wieder gelesen und diskutiert. Die deutschen Autoren wollen ernsthafte Texte über Israel präsentieren, keine Fußballtexte.

Ich finde das gut. Wir selber würden aber viel lieber Texte über Fußball lesen. Das können wir nur nicht, weil es bei uns diese Gattung nicht gibt.

Ist Israel ein Land ohne Fußballliteratur?

Aktuell fehlt uns die leider. In Israel dominiert die Politik, der Konflikt mit der arabischen Welt. Das überlagert alles, auch die Literatur. Es müssen sich erst diese Zustände ändern, bevor wieder über Fußball geschrieben werden kann.

Assaf Gavron, 40 wurde in Jerusalem geboren und lebt heute in Tel Aviv. Der Romancier ist Gründer der israelischen Autorennationalmannschaft im Fußball. Das Gespräch führte Torsten Haselbauer.

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