Sport : Schritt für Schritt abwärts

Eine Chronik des Schreckens: Vom 0:1 gegen Nürnberg bis zum Skandalspiel in der Relegation.

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Zweitligameister 2011. Heute gehen Preetz (links) und Babbel getrennte Wege. Foto: dpa
Zweitligameister 2011. Heute gehen Preetz (links) und Babbel getrennte Wege. Foto: dpaFoto: dpa

6.8.2011, HERTHA – NÜRNBERG 0:1

Im ersten Spiel nach dem Aufstieg will Hertha den Schwung aus der Zweiten Liga mitnehmen. Doch nach der enttäuschenden Vorstellung kommen erste Zweifel an der Qualität des Teams auf. Hertha erspielt sich in 90 Minuten keine einzige Torchance. Das Spiel ist ein erster Vorgeschmack auf nur vier Siege in 17 Spielen vor eigenem Publikum . Doch die Mannschaft fängt sich erst einmal.

10.9.2011, DORTMUND – HERTHA 1:2

Berlin bejubelt eine gut geplante Sensation. Nach dem Sieg beim Meister wird Trainer Markus Babbel als Konzepttrainer gefeiert, der den BVB-Code geknackt hat. Hertha rückt auf Platz acht der Tabelle vor. Es ist die beste Platzierung der Mannschaft in dieser Saison.

29.10.2011, WOLFSBURG – HERTHA 2:3

Nach elf Spieltagen sieht alles nach einer sorgenfreien Saison aus. Hertha steht mit vier Siegen und 16 Punkten auf Platz zehn. Keiner ahnt, dass in den nächsten 22 Spielen nur noch zwei Siege und zwölf Punkte folgen. Unter Markus Babbel kann die Mannschaft keines der letzten sechs Spiele in der Hinrunde mehr gewinnen.

17.12.2011, HOFFENHEIM – HERTHA 1:1

Wochenlang eiern Babbel und Manager Michael Preetz wegen der Vertragsverlängerung des Trainers herum. Vor dem Spiel in Sinsheim eskaliert die Situation. Am Vorabend wird bekannt, dass Michael Skibbe Babbel ersetzen soll, weil dieser zum Saisonende gehen will. Babbel beteuert, er habe Preetz diese Entscheidung bereits Anfang November mitgeteilt. Präsident Werner Gegenbauer bezichtigt ihn daraufhin der Lüge, spricht von „Baron Münchhausen“-Geschichten. Babbel wehrt sich und wird am Tag nach dem letzten Hinrundenspiel entlassen.

21.12.2011, HERTHA – LAUTERN 3:1

Babbels Assistent Rainer Widmayer betreut die Mannschaft interimsweise im Achtelfinale des DFB-Pokals. Vergeblich versucht der Verein, den Babbel-Getreuen zum Bleiben zu überreden. Nach dem Sieg im Pokal spricht man in Berlin schon vom Heimfinale. Der neue Trainer Skibbe befeuert solche Träumereien, spricht auch davon, Hertha langfristig ins obere Tabellendrittel zu führen.

8.2.2012, HERTHA – GLADBACH 0:2 n.V.

In der Verlängerung bewegt Roman Hubnik seinen Kopf in Richtung des Mönchengladbachers Igor de Camargo und sieht Rot. Nach dem Pokal-Aus ist der Begriff der „Nasenschwalbe“ erfunden.

11.2.2012, STUTTGART – HERTHA 5:0

Nach fünf verlorenen Pflichtspielen wird Skibbe entlassen, nach nur 51 Tagen im Amt. „Skibbe war mein Fehler“, sagt Preetz. Konsequenzen hat diese Fehlentscheidung für Herthas Manager keine.

18.2.2012, HERTHA – DORTMUND 0:1

Die zu Chefs beförderten Junioren-Trainer René Tretschok und Ante Covic sitzen als Interimstrainer auf der Bank. Hertha zeigt sich leicht verbessert, verliert trotzdem. Dennoch stehen die Berliner noch auf dem Nichtabstiegsrang 15.

25.2.2012. AUGSBURG – HERTHA 3:0

Völlig überraschend verpflichtet Preetz Otto Rehhagel. Der 73-Jährige hat seit zwölf Jahren keinen Bundesligisten mehr trainiert. Aber er erklärt sich bereit, einzuspringen, aus alter Verbundenheit zu Berlin, wo er in den ersten Bundesligajahren spielte. Das erste Spiel geht verloren, der Vorletzte Augsburg überholt Hertha.

3.3.2010, HERTHA – BREMEN 1:0

Im zweiten Spiel unter Rehhagel gewinnt Hertha zum ersten Mal seit über vier Monaten. Nach fünf Spielen ohne Berliner Tor trifft Nikita Rukavytsya. Der Trainer zitiert aus dem Gedicht „Der Zauberlehrling“, nennt Fanol Perdedaj „Paradise“ und berichtet von einer Einladung zum Abendessen beim Außenminister.

31.3.2012, HERTHA – WOLFSBURG 1:4

Nach dem 3:1-Sieg in Mainz keimt wieder Hoffnung auf. Erst Recht als Hertha gegen Wolfsburg 1:0 in Führung geht. Doch die Berliner vergeben reihenweise Chancen und gehen am Ende unter.

10.4.2012, HERTHA – FREIBURG 1:2

Rehhagel deklariert das Spiel zur „Entscheidungsschlacht“. Nach der Niederlage sagt er, er habe nie von einer Entscheidungsschlacht gesprochen.

21.4.2012, HERTHA – LAUTERN 1:2

Selbst gegen den designierten Absteiger, der seit 21 Spielen nicht mehr gewonnen hat, verlieren die Berliner im eigenen Stadion. Torschütze Peter Niemeyer sieht Gelb-Rot – der achte Platzverweis der laufenden Saison. Doch der Klassenerhalt ist immer noch möglich.

28.4.2012, SCHALKE – HERTHA 4:0

Die desolate Mannschaft tut beim  Erzrivalen augenscheinlich alles, um absteigen. Doch es reicht nicht, weil auch Konkurrent Köln verliert, 1:4 in Freiburg.

15.5.2012, DÜSSELDORF – HERTHA 2:2

Nach dem 1:2 im Relegations-Heimspiel heißt es in Düsseldorf 2:2. Hertha ist damit zum sechsten Mal aus der Bundesliga abgestiegen – es sei denn, der Verein legt gegen das von einem Platzsturm unterbrochene Spiel am grünen Tisch Protest ein. Die Entscheidung des Vereins darüber ist zu Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht bekannt.

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