Sport : „Schubkarre ohne Rad“

Experten kritisieren Anti-Doping-Gesetz

Friedhard Teuffel

Berlin - Um ein Anti-Doping-Gesetz zu schmieden hat die große Koalition im Deutschen Bundestag lange gekämpft, aber nach Ansicht von einigen Experten hat sie das umsonst getan. Es ist eine stumpfe Waffe, wenn es etwa nach dem Gießener Jura-Professor Jens Adolphsen geht. „Es ist ein Anti-Dealing-Gesetz, kein Anti-Doping-Gesetz“, sagte er bei einer Anhörung im Sportausschuss des Bundestages. „Sie gehen nicht gegen das vor, was sie bestrafen wollen“, rief der Wissenschaftler den Abgeordneten zu.

Noch vor der parlamentarischen Sommerpause soll das Gesetz verabschiedet werden. Ändern wird es nach Meinung mancher Experten nichts. „Es ist wie eine Schubkarre ohne Rad und eine Schaufel ohne Blatt“, sagte der Frankfurter Oberstaatsanwalt David Kirkpatrick. Er glaubt nicht daran, dass der Kern des Gesetzes etwas bewirken werde. Der Kern ist, dass künftig auch der Besitz von nicht geringen Mengen an Dopingmitteln vom Staat strafrechtlich verfolgt wird, nicht nur wie bisher nach dem Arzneimittelgesetz die Weitergabe und der Handel. Aber eben nur von nicht geringen Mengen. „Da kann jeder Radfahrer mit einer Ampulle um den Hals fahren, die werden sie nicht bestrafen können“, spottete Kirkpatrick.

Der Deutsche Olympische Sportbund immerhin befürwortet den gefundenen Kompromiss der Koalition. Er decke sich mit den Vorstellungen des Verbandes, sagte Generaldirektor Michael Vesper. „Man sollte das Gesetz nun endlich verabschieden und dann nach einiger Zeit auswerten“, sagte Vesper, der allerdings den im Bundestag entstandenen Eindruck teilte, dass die Erwartungen an das Gesetz gedämpft worden sind.

Während an schärferen strafrechtlichen Maßnahmen für einige der geladenen Wissenschaftler verfassungsrechtliche Bedenken bestehen, geht der Entwurf der Koalition anderen nicht weit genug. „Der Sportler als Kerngestalt des Dopinggeschehens ist einfach nicht mit einbezogen“, monierte die Bielefelder Jura-Professorin Britta Bannenberg. Sie hatte daher auf einem Umweg Aufklärung gegen einen verdächtigen Sportler angestoßen und vor einigen Monaten Strafanzeige gegen Jan Ullrich gestellt. Ihr Vorwurf: Ullrich habe seinen ehemaligen Arbeitgeber T-Mobile betrogen. Bannenberg und andere forderten einen Straftatbestand des Sportbetrugs so wie wirtschaftlicher Betrug ebenfalls von der Staatsanwaltschaft verfolgt wird.

Doch auch dabei waren sich die Experten nicht einig. Oberstaatsanwalt Kirkpatrick entgegnete: „Ein Richter wäre sehr schwer davon zu überzeugen, dass keiner im Wettbewerb betrogen hat, nur der Angeklagte.“ Friedhard Teuffel

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