Sport : Schubsende Helden

Kolumbianer skaten am besten

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In Deutschland werden sie meist von den Radwegen geklingelt, auf den Fußwegen angeraunzt und von der Straße durch lautes Hupen verjagt. In Kolumbien dagegen werden sie gefeiert wie Helden. Inlineskaten ist dort Volkssport.

Wie gut die Kolumbianer skaten können, bewiesen sie beim Berlin-Marathon. Gleich drei ihrer Skater sicherten sich einen Platz auf dem Siegerpodest. Bei den Männern belegten Juan Carlos Betancur (Saab-Salomon- Team) und Jorge Botero die Plätze eins und drei, während sich bei den Frauen Silvia Nino (beide Rollerblade-World-Team) den zweiten Platz sicherte. „Wir sind in den letzten fünf Jahren immer besser geworden. Das hat uns populär gemacht“, sagt Betancur. Und er lobt noch mal die Bedingungen in seinem Land: „In Kolumbien gibt es in jeder Stadt fünf bis sechs Inlineskate-Bahnen.“

Vor zwei Jahren fand die Weltmeisterschaft in Kolumbien statt. „Die Stadien waren voll, die Straßen dicht gesäumt von Menschen. Es war Wahnsinn“, erinnert sich Sämi Raimann, Manager des Rollerblade World Teams. Doch wer kann sich diesen Sport in Kolumbien leisten? Ein Paar maßgeschneiderte Schuhe, wie sie die Profis tragen, kostet gut 700 Euro. Silvia Nino bestreitet, dass es sich um einen Sport der Oberschicht handelt. „Meine Eltern sind nicht reich“, sagt sie. „Aber für viele ist das schon teuer.“ Erst wer sich bei nationalen und internationalen Wettkämpfen einen n macht, erhält staatliche Förderung. Trotzdem gehen viele Talente nach Europa. „Die Leute vom Saab- Salomon-Team haben mich bei internationalen Wettkämpfen gesehen und mir einen Vertrag angeboten“, sagt Betancur. Seit 1999 trainiert er mit dem Team in Nantes.

Ausreißer wurden abgefangen

Wie wichtig die Teamarbeit beim Skaten ist, bewies auch dieser Marathon. „Es war ein taktisches Rennen. Die Teams belauerten sich, keiner wollte das Tempo machen“, sagt Botero. Ausreißer wurden sofort abgefangen. So entschied sich das Rennen erst im Sprint vor der Ziellinie. „Und da wurde es sehr eng“, sagt Christoph Zschätzsch (Fila International Team), der als bester Deutscher den zwölften Rang belegte. So konnte die Stundengrenze nicht unterboten werden. 1:04:44 Stunden benötigte Betancur für die 42,195 Kilometer.

Da nutzte es dem Kolumbianer auch nichts, dass ihm sein Teamkollege, der Italiener Massimiliano Presti, angeblich vor dem Ziel einen Schubser gab. Das benachteiligte Rollerblade World Team protestierte. Da das Zielvideo aber nur die Ziellinie erfasst, gab es keine Beweise. „Presti musste sich kurz bei mir abstützen, weil er sonst gefallen wäre“, sagt Betancur. „Ich fühle mich schlecht, weil jetzt alle denken, wir hätten betrogen.“ Die kolumbianische Hymne sang er - Hand auf der Brust - auf dem Siegerpodest trotzdem lauthals mit. Jutta Meier

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