Sport : Schüchterner Sieger

Der Vertragsamateur Sebastian Schoof führt Leverkusen zum 3:0 über Bremen

Erik Eggers

Leverkusen. Das Forum Bundesliga ist Sebastian Schoof noch nicht gewöhnt. Schüchtern steht er da nach dem Leverkusener 3:0 (1:0)-Sieg gegen Werder Bremen, kratzt sich verlegen den Hinterkopf, weil er nicht so recht weiß, was er eigentlich sprechen soll in die vielen aufgezogenen Mikrofone. „Ich kenne das alles ja noch nicht so gut“, sagte der 22-jährige Vertragsamateur von Bayer.

Aber dann redet er doch: Dass er sich als Matchwinner nicht bezeichnen wolle, weil neben ihm auch Bierofka und Juan die Tore geschossen hätten. Und dann spricht er von einem „großen Traum, der für mich in Erfüllung gegangen ist“.

Normalerweise spielt er gegen Paderborn, Osnabrück oder Aue. In der Bundesliga hat er im dritten Kurzeinsatz sein zweites Tor erzielt zum ersten Heimsieg nach gut viereinhalb Monaten. Sein Kopfball in der 50. Minute zum 2:0 nämlich beruhigte spürbar die bis dahin angespannten Nerven des abstiegsbedrohten Vizemeisters in diesem Spiel. Sein Abstauber aus sechs Metern nach einem abgeprallten Ball des unsicheren Bremer Keepers Wierzchowski war die Vorentscheidung in diesem Spiel, das zu diesem Zeitpunkt noch andere Wendungen barg.

Obwohl nämlich der Gastgeber von Beginn an viel entschlossener agierte als Bremen, schien der Ausgleich nicht völlig abwegig. Weil Bernd Schneider nur 180 Sekunden nach dem 1:0 durch Bierofka einen an Babic verschuldeten Foulelfmeter leichtfertig vergeben hatte – wie am 32. Spieltag der letzten Saison, als seinerzeit Keeper Jörg Butt einen Strafstoß gegen Bremen nicht versenken konnte und so Spiel und deutsche Meisterschaft noch verloren gingen. „Danach hatten wir einen kleinen Bruch im Spiel“, sagte Leverkusens Trainer Thomas Hörster. Erst Schoofs Tor, der nach der Halbzeit eingewechselt worden war, vermochte diesen Bruch zu kitten. Das 3:0 durch Juan nach einer von Babic getretenen Ecke besaß nur noch Kosmetikcharakter.

Die Souveränität, mit der Bayer am Ende das Spiel nach Hause schaukelte, hing auch mit einer unerklärlich schwachen Leistung des Gastes zusammen, der fünfmal in Folge verloren hat. „Mit dieser Leistung bin ich nicht einverstanden“, sagte Bremens Trainer Thomas Schaaf und warf seiner Mannschaft vor allem fehlenden Willen und Leidenschaft vor. Seine Spieler konnten sich dazu nicht äußern: Manager Klaus Allofs hatte kurzerhand ein Interviewverbot für alle verhängt. „Geredet wurde genug in der letzten Woche“, sagte Allofs, „jetzt müssen Taten folgen.“

Dieser Satz hätte auch vor 14 Tagen in Leverkusen so formuliert werden können, als Klaus Toppmöller noch Trainer war. Auch Bremen braucht zurzeit einen Sebastian Schoof.

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