Sport : Schüler schlägt Lehrer

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Gwangju (dpa). Nach der ersten Niederlage küsste Trainer Bora Milutinovic den Talisman, der an einer Kette um seinen Hals hängt. „Den hat mir meine Tochter Maria zur WM 1998 geschenkt“, sagte der Fußballtrainer. Damals in Frankreich hat der Talisman seine Wirkung nicht verfehlt, Milutinovic kam als Trainer mit Nigeria bis ins Achtelfinale. Nur in Südkorea hat der Talisman noch nicht geholfen. Milutinovic trainiert nun die Chinesen, und die hatten beim 0:2 gegen Costa Rica eine schwache Vorstellung geboten. Und als nächster Gegner wartet auch noch der viermalige Weltmeister Brasilien. Trotzdem lobte Milutinovic seine Spieler: „Sie haben bis zuletzt gekämpft und viel gelernt.“

Innerhalb von vier Minuten war der jahrelang gehegte Traum der Chinesen vorbei, bei der ersten Weltmeisterschaftsteilnahme ein erfolgreiches Debüt zu feiern. Die Spieler Costa Ricas entschieden durch Tore von Ronald Gomez (61.) und Mauricio Wright (64.) das Spiel. „Wir haben unser Bestes versucht“, sagte Chinas Kapitän Ma Mingyu nach der ersten Lehrstunde entschuldigend zu den rund 8000 mitgereisten Schlachtenbummlern, die zuvor jeden Konter der Chinesen frenetisch bejubelt hatten. Costa Ricas Trainer Guimaraes blieb nach dem Sieg vorsichtig. „Wir sind gut gestartet, aber jetzt kommen noch zwei schwere Spiele. “

Der serbische Weltenbummler Milutinovic hatte bei der Weltmeisterschaft 1990 Costa Rica betreut. Damals stand Guimaraes als Spieler im Aufgebot, heute trainiert Milutinovics früherer Schüler das Team von Costa Rica. In Gwangju trafen folglich zwei Freunde aufeinander. Nach dem Spiel umarmten sich die beiden Trainer sehr freundschaftlich. „Ich habe viel von Bora gelernt und schätze ihn sehr“, sagte Guimaraes. „Ich bin stolz, dass ich gegen ihn spielen und gewinnen konnte.“ Guimaraes ist in Brasilien geboren, am 13. Juni wird er in der Vorrunde auf seine ehemaligen Landsleute treffen. Außerdem muss Costa Rica noch gegen die Türkei antreten, weshalb die Chancen auf den Einzug ins Achtelfinale trotz des ersten Sieges nicht allzu groß sind.

In der ersten Halbzeit hatten die athletisch starken Chinesen ihren Gegner mit schnellen Kontern über die Flügel beeindruckt. „In der Pause hat uns Guimaraes die mentale Energie zum Sieg gegeben“, sagte der in der zweiten Halbzeit eingewechselte Stürmer Hernan Medford. Obwohl die Chinesen phasenweise extrem denfensiv agierten, boten sich Costa Rica immer wieder Löcher in der chinesischen Abwehr. In der 61. Minute nutzte der später zum besten Spieler der Partie gewählte Gomez einen Abwehrfehler zum 1:0. Vier Minuten später legte der in Griechenland für OFI Kreta spielende Stürmer gekonnt für Mauricio Wright zum 2:0 auf.

„Wir konnten wieder nicht reagieren“, meinte Chinas Kapitän Ma verärgert. „Wir waren nach 70 Minuten auch müde“, ergänzte Eintracht Frankfurts Stürmer Chen Yang, „aber für unser erstes Weltmeisterschaftsspiel war das okay.“ Der Angreifer möchte in der kommenden Saison nicht mehr für seinen bisherigen Verein spielen, sondern zu einem Bundesligisten wechseln. Doch einfach wird ein Wechsel nicht werden.

Noch hat sein Coach den Glauben an den Glücksbringer um seinen Hals nicht aufgegeben. Als Milutinovic lächelnd in den Mannschaftsbus stieg, sagte er: „Wer weiß, was noch passiert.“

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