Schüler schreiben : "Fukushima brachte uns noch näher zusammen"

Rund 14 Monate sind seit der Katastrophe von Fukushima vergangen. Doch die Ereignisse haben auch eine Mannschaft zusammengeschweißt und treibt sie zu sportlichen Höchstleistungen an – zum Wohle einer Nation.

Dominik Prüfer
Dominik Prüfer und Karla Imdahl, Schülerreporter der "Paralympics Zeitung", interviewen den Rollstuhlbasketballspieler Hiroaki Kozai (JAPAN) beim "BT Paralympic World Cup" in der Manchester.
Dominik Prüfer und Karla Imdahl, Schülerreporter der "Paralympics Zeitung", interviewen den Rollstuhlbasketballspieler Hiroaki...

Japan musste eine knappe 54:59 Niederlage im Spiel um Platz drei beim BT Paralympic World Cup in Manchester gegen Deutschland hinnehmen. Dennoch ist Hiroaki Kozai, Spieler des japanischen Nationalteams im Rollstuhlbasketball, zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft.

„Gegen Großbritannien hatten wir zur Halbzeit schon mit 9 Punkten Vorsprung geführt. Doch im dritten Viertel haben wir dann durch viele leichtsinnige Ballverluste und den daraus resultierenden Gegenstößen der Briten das Spiel noch aus der Hand gegeben“, erzählt er nach dem Spiel um Bronze. „Unser Fokus gegen Deutschland lag darauf, das von Anfang an besser zu unterbinden.“

Japan erreichte den vierten Platz beim World Cup in Manchester - genauso wie eine Woche zuvor beim PRE-Turnier in Frankfurt a. M. Hier hat man, so wie in der englischen Metropole, gegen die Teams aus den USA, Großbritannien und Deutschland gespielt.
„Wir sind noch in der Vorbereitung auf die Paralympics in London, wir trainieren jeden Tag hart um das Ziel, das wir uns gesetzt haben, auch zu erreichen“, erklärt der freundliche Japaner. Dieses Ziel ist mindestens der vierte Platz in Englands Hauptstadt. Doch bei den Paralympics kämpfen insgesamt 12 Mannschaften um Gold. Den Wille und du die Motivation, das Halbfinale im Rollstuhlbasketball zu erreichen, bezieht die Mannschaft aus einem Ereignis, das man so nicht erwartet hätte: Die Nuklearkatastrophe von Fukushima. „Der Triumph der japanischen Auswahl bei der Fußballweltmeisterschaft der Frauen 2011 in Deutschland hat unsere Nation nach den schrecklichen Ereignissen, die das Erdbeben und der nachfolgende Tsunami verursacht haben, zueinander geführt. In London wollen wir diesen Effekt noch verstärken, da die Paralympics in Japan intensiver verfolgt werden als die Fußball-WM der Frauen“, schildert Hiroaki Kozai die Hintergründe.

Die angestrebte Fitness, die die Japaner ins Halbfinale führen soll, wird in zwei Trainingslager im Juni und August sowie während eines letzten Vorbereitungsturnier im Juli in Australien , aufgebaut und getestet werden. Daran nehmen auch Kanada, Australien und die USA teil.

Auch mannschaftsintern ist Fukushima ein sehr emotionales Thema. „Einige Spieler sowie unser Cheftrainer haben große Teile bis hin zu ihrem kompletten Besitz durch den Tsunami eingebüßt. Glücklicherweise jedoch hat niemand Freunde oder Angehörige verloren. Das soll unser Land genauso zusammenschweißen wie es uns als Team zusammengeschweißt hat!“
Ein ambitioniertes Ziel, aber warum nicht? So sicher wie die Sonne im Osten auf- und im Westen wieder untergeht, so sicher ist sich auch die Mannschaft, genau diese Zielsetzung schlussendlich zu verwirklichen. Ganz nach dem Prinzip „was dich nicht umbringt macht dich stärker“ fokussieren sich die Japaner auf die Umsetzung ihrer Pläne. Denn Fukushima hat sie nicht umgebracht und auch die japanische Nation hat sich von Naturkatastrophen und atomarem GAU nicht in die Knie zwingen lassen. Diese neu gewonnene Stärke, der noch intensivere Zusammenhalt im Team selbst und die Überzeugung, etwas Großartiges für ihr Land tun zu können, das alles nehmen sie mit nach London, zu den Paralympics 2012, dem größten aller Ereignisse im Leben eines Sportlers mit Behinderung.

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