Schüler schreiben : Kleine Menschen? Grosse Chancen!

Martin Mansell, ehemaliger Schwimmer der Paralympics, erzählt von seinem Projekt "Ability v Ability" und erklärt, warum auch in Deutschland noch viel zu tun ist.

Wibke Schumacher
Martin Mansell von "Ability v. Ability" beim Interview mit dem Team der Schülerreporter/innen der "Paralympic Post".
Martin Mansell von "Ability v. Ability" beim Interview mit dem Team der Schülerreporter/innen der "Paralympic Post".Foto: Thilo Rückeis

Paralympics,Paralympics Zeitung,Manchester“Wow, guckt euch das an. Der Junge ist erst drei Jahre alt und lernt mit einem echten Paralympics Star den Rollstuhl kennen. Wir haben schon so viel erreicht.“ Es ist ein sonniger Maisamstag, einer der wärmsten, die Birmingham in diesem Frühling erlebt hat. Im Hintergrund sind laute Schreie zu hören – das Spiel um Platz drei im Fußball ist in vollem Gange. Die irischen und amerikanischen Fans feuern ihre jeweiligen Mannschaften beim BT Paralympic Worldcup 2012 begeistert an.
Martin Mansell hält sich die Hand über die Augen, um auf seinem kleinen Handydisplay etwas erkennen zu können. Er betrachtet ein Foto von einem kleinen Jungen in einem riesig wirkenden Rollstuhl. Ben Hutchens, ein Leichtathlet aus dem britischen Team hilft ihm dabei, hält ihn fest und stützt ihn. Beide lachen unbeschwert und auf Martins Gesicht breitet sich ein Lächeln aus. Auch Martin sitzt im Rollsuhl. Der Athlet hat in seinem Leben schon vier Goldmedallien bei den Paralympischen Spielen im Schwimmen gewonnen.

Auch heute, nach seiner aktiven Sportlerkarriere, setzt er sich für die Paralympischen Spiele ein. Was Großbritannien vor allem braucht, ist Aufklärung. Die Menschen müssen wissen, dass es eine ganze Reihe von Sportarten für Menschen mit Lähmungserscheinungen oder Rollstuhlfahrer gibt und vor allem müssen sie lernen, dass Menschen mit einer  Behinderung gar nicht so anders sind, als sie selbst. Deshalb hat Martin geholfen, ein großartiges Projekt auf die Beine zu stellen: Ability v Ability – Können gegen Können. Dieses weltweit einzigartige Programm setzt sch für Aufklärung über behinderten Leistungssport in britischen Grundschulen ein.

In ganz Großbritannien werden Lehrer in Grundschulen mit Materialien über die Paralympics versorgt. Auf der Website gibt es vorbereitete Stunden, Stationsarbeiten und Videos über verschiedene paralympische Sportarten, die Athleten und die Spiele selbst. Diese Materialien können kostenlos heruntergeladen werden und die Lehrer können dann selbst entscheiden, welche Materialien sie wo einsetzen.

Das Ziel: Den Kindern soll klar werden, dass es auch bei den Paralympischen Spielen nur um das Messen von Können und die am besten trainierten Mannschaft geht.

Als Martin von seiner Arbeit und dem großen Erfolg seines Projektes berichtet, strahlen seine Augen vor Stolz. „Wir haben viele Schulen, die ihre Ergebnisse online teilen. Die Kinder so „in Action“ zu sehen und mitzuerleben, wie sie zum Beispiel Rollstuhlbasketball austesten, ist ein unbeschreibliches Gefühl. Mittlerweile nehmen  15.000 bis 18.000 Schulen unser Programm wahr.“

Paralympics-Workshop
Bald geht es los: Die Paralympics-Zeitung lud zum Vorbereitungsworkshop in Großbritannien. 20 Schülerinnen und Schülern aus ganz Deutschland, der Schweiz, Nordirland, Wales und England, hatten beim internationalen Schreibwettbewerb für das Jungreporterteam der Paralympics-Zeitung gewonnen.Weitere Bilder anzeigen
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07.06.2012 14:06Bald geht es los: Die Paralympics-Zeitung lud zum Vorbereitungsworkshop in Großbritannien. 20 Schülerinnen und Schülern aus ganz...

Sogar hier, auf dem BT Paralympics World Cup, sind viele Kinder unterwegs. Sie feuern ihre Mannschaften an, fiebern mit und sind ein wichtiger Teil des Events. „Abilitly v Ability“ hat dazu sicherlich beigetragen.

Martin zweifelt nicht daran, dass auch in Deutschland ein solches Programm den behinderten Leistungssport positiv verändern könnte. „Jeder deutsche Sportler, der an den Paralympischen Spielen teilnimmt, ist ein Star und verdient Aufmerksamkeit und Respekt. Diese Menschen sind Vorbilder und wir können so viel von ihnen lernen.“ Er hat Recht. Viele Menschen sind noch lange nicht aufgeklärt und wir sind, auch in Deutschland, noch lange nicht  am Ziel. Auf einem ganz normalen Pausenhof beschimpfen sich die Kinder zum Beispiel gegenseitig mit den Worten: „Ey man, bist du behindert?“ Und doch wissen sie nicht, was dieser Satz bedeutet, haben keine Ahnung von den vielen inspirierenden Athleten, die in London dieses Jahr zusammen kommen und realisieren nicht, dass auch Rollstuhlfahrer beispielsweise ganz normale Menschen sind, die im Sport ihr Können uner Beweis stellen, so wie die Kinder es in den Pausen beim Kicken auf dem Fußballplatz tun. Es ist Können gegen Können. Abililty v Ability. Nothing else.

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