Schüler schreiben : "Meine Jungs sind alle super Charaktere"

Der BT Paralympics World Cup in Manchester gab nicht nur den Gastgebern Anlass zur Freude. Auch Nicolai Zeltinger, Trainer der deutschen Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft, konnte nach Bronze bei den Herren und Gold bei den Frauen eine positive Bilanz ziehen.

Nico Feißt
Nicolai Zeltinger, Bundestrainer der deutschen Rollstuhlbasketballer.
Nicolai Zeltinger, Bundestrainer der deutschen Rollstuhlbasketballer.Foto: Thilo Rückeis

200 Athleten aus 30 Nationen, 11000 Zuschauer an fünf Turniertagen, dazu ein Gesamtsieg des britischen Teams: Der BT Paralympics World Cup in Manchester gab nicht nur den Gastgebern Anlass zur Freude. Auch Nicolai Zeltinger, Trainer der deutschen Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft, konnte nach Bronze bei den Herren und Gold bei den Frauen eine positive Bilanz ziehen.

"Beine bisschen hochlegen" - sagt er, und lächelt

Drei Tage nach dem internationalen Turnier in Frankfurt, bei welchem die Herren Platz zwei belegten, präsentierte sich Zeltingers Team auch auf der Insel in einer guten Frühform: Der knappen 53:57-Niederlage gegen Großbritannien folgte ein klarer 63:49-Erfolg gegen Japan, während man zum Ende der Vorrunde die USA am Rande der Niederlage hatte. Eine Fünf-Punkte-Führung vor dem letzten Viertel reichte jedoch nicht, um den Weltranglistenzweiten, wie in Frankfurt, in die Knie zu zwingen. Jan Haller konnte nach der 59:64-Niederlage trotzdem eine Leistungssteigerung feststellen und zeigte sich zufrieden. Im abschließenden Spiel um Platz drei gegen Japan reichte es nur zu einem knappen Sieg. „Da hat uns die Frische gefehlt. Nach acht Spielen in sieben Tagen tut es uns sicherlich gut, wenn wir die Beine ein bisschen hochlegen können.“, schmunzelt der junge Flügelspieler. Von einer Pause will er jedoch nichts wissen, schließlich müsse jeder die verbleibenden drei Monate bis zu den Paralympics nutzen, um zu trainieren: „Ich will nicht nach London fahren, um Spaß zu haben, sondern um zu gewinnen.“

Für den Nationaltrainer ist das Gewinnen im Moment nur zweitrangig: „Primär müssen wir in dieser Phase der Vorbereitung unsere Stärken suchen.  In der Defensive klappt noch nicht alles, doch ich bin sicher, dass wir das bis zum Eröffnungsspiel in den Griff kriegen.“

Nachdem der Grundstein für das paralympische Jahr mit dem Silber-Erfolg bei der EM 2011 gelegt wurde, konnte Zeltinger die Arbeit in diesem Jahr nahtlos fortsetzen, auch wenn zwei Spieler umklassifiziert wurden. Ein Team darf höchstens 14 Klassifizierungspunkte erreichen, wobei für die Spieler mit der höchsten Einschränkung ein Punkt angerechnet wird, für die Spieler mit der niedrigsten 4,5. Somit kann eine Umklassifizierung große Auswirkungen auf den Kader haben. „Das wir dies so locker wegstecken, ist nur möglich, weil meine Jungs alle super Charaktere sind.“, lobt Zeltinger.

Die Kaderzusammenstellung: ganz schön schwierig

Umso schwerer fiel es ihm, als er im April aus einem 20er-Kader zwölf Leute für London auswählen musste. „Das ist wohl die grausamste Entscheidung, die man als Trainer treffen muss. Ich hätte sie so gerne alle mitgenommen.“, schildert er die schwierige Kaderzusammenstellung. Die Bekanntgabe erfolgte bewusst so früh, damit die Mannschaft zusammenwachsen und eine Einheit werden könne. Die Turniere in Frankfurt und Manchester gaben ihm Recht, da die Stimmung ausgezeichnet sei: „Mit einer Mischung aus Spaß, Disziplin, Teamgeist und vor allem viel Leidenschaft und Herzblut werden wir eine gute Rolle bei den Paralympics spielen.“, ist sich Zeltinger, der das Viertelfinale als Minimalziel ausgibt, sicher. Damit die Vorrunde nur ein Zwischenstopp bleibt, strickt der Bundestrainer den Fahrplan eng. So folgen nun neun gemeinsame Vorbereitungsmaßnahmen, unter anderem ein USA-Trip sowie Reisen nach Polen und in die Türkei.

"Ich traue ihnen sogar Gold zu"

Nach einer Verletzung wird in zwei Wochen auch Dirk Passiwan dabei sein. Verzichten will Zeltinger auf den „komplettesten Rollstuhlbasketballer der Welt“, der in der abgelaufenen Bundesligasaison auf durchschnittlich 38 Punkte pro Spiel kam, nicht: „Seine Scorerqualitäten sind unheimlich wichtig für uns. Der Gegner findet kaum ein Mittel, um ihn zu stoppen. Deshalb bin ich stolz, wie stark die Jungs hier ohne ihn auftreten.“

Einen starken Auftritt in Manchester bot indes auch die Damennationalmannschaft. Sie schlug im Finale Australien mit 47:40. Zeltinger, der auch für die Frauen zuständig ist, zeigt sich zuversichtlich: „Ihnen traue ich bei den Paralympics sogar Gold zu.“

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