Schüler schreiben : Von Rollstühlen und Respekt

Wer einmal ein Rollstuhlbasketball Match verfolgt hat, wird von der Vitalität und dem Einsatz der Spieler mitgerissen. Und noch etwas sticht ins Auge: der Respekt.

Karla Imdahl
Karla Imdahl, Schülerreporterin der "Paralympics Zeitung" interviewt den Rollstuhlbasketspieler Hiroaki Kozai (Japan).
Karla Imdahl, Schülerreporterin der "Paralympics Zeitung" interviewt den Rollstuhlbasketspieler Hiroaki Kozai (Japan).Foto: Thilo Rückeis

Knapp war die Niederlage der Japaner gegen das deutsche Team im Rollstuhlbasketball im Spiel um den dritten Platz. Am Ende gewannen die Deutschen 59:54, fünf hart umkämpfte Punkte Vorsprung.

Trotzdem ist Hiroaki Kozai, jüngster Spieler im japanischen Team, zufrieden. „Unser größter Erfolg ist, wenn wir jedes Spiel ein bisschen besser sind als das Letzte. Heute waren wir gut. Besser als gestern gegen Grossbritannien. Und damit sind wir unserem Ziel wieder einen Schritt näher gekommen.“ Hiroaki lacht, dann erzählt er von dem großen Ziel seiner Mannschaft. „Wir wollen unbedingt unter den vier besten Mannschaften bei den Paralympics sein.“ Warum nicht die Goldmedaille? Er lacht wieder, dann meint er: „Vielleicht in ein paar Jahren, jetzt ist es noch zu früh. Wir brauchen noch mehr Zeit.“

Die Zeit, die das Team zusammen verbringt, ist immens. Jeden Tag Training, regelmäßige Trainingslager, Turniere. Und alles ganz ohne Streit. „In Japan ist Respekt die Hauptsache. Als Jüngster der Gruppe muss ich die Älteren respektieren. Das ist doch selbstverständlich.“ Hiroaki grinst, dann wird er ernst. „Genau das ist der Grund warum wir uns so nahe stehen. Wir sind wunderbare Freunde.“

Paralympics-Workshop
Bald geht es los: Die Paralympics-Zeitung lud zum Vorbereitungsworkshop in Großbritannien. 20 Schülerinnen und Schülern aus ganz Deutschland, der Schweiz, Nordirland, Wales und England, hatten beim internationalen Schreibwettbewerb für das Jungreporterteam der Paralympics-Zeitung gewonnen.Weitere Bilder anzeigen
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Der Respekt zwischen den verschiedenen paralympischen Teams sticht ins Auge. Beschimpfungen, Beleidigungen, Randale und Skandale wie beim Nichtbehindertensport sucht man hier vergeblich. Und wer einmal ein Rollstuhlbasketball Match verfolgt hat, wird von der Vitalität und dem Einsatz der Spieler mitgerissen. Da wird sich im Rollstuhl in die Luft geworfen um die weitesten Pässe noch zu erwischen, Spieler verkeilen ihre Rollstühle ineinander um ihre Gegner zu blocken und fast jede Minute stürzt jemand. Doch wer nach so einem Sturz eine Spielunterbrechung erwartet und Sanitäter, die das Feld überfluten, der irrt sich. Denn bevor der Schiedsrichter abpfeifen kann, hat sich der Spieler schon wieder mit Schwung nach oben gedrückt und ins Geschehen gestürzt. Selten kommt ein Spieler nicht aus eigener Kraft wieder hoch. Doch dann ist immer jemand da, der eine helfende Hand reicht. Oft sogar der Gegner.

Dennoch interessiert sich fast niemand für Rollstuhlbasketball. Platzte die Allianz-Arena beim Champions League Finale aus allen Nähten, kamen zum World Cup Spiel zwischen Deutschland und Japan nur eine Handvoll Zuschauer. Die meisten waren Experten oder Angehörige der Spieler. Dabei bietet Behinderten-Leistungssport jede Menge Nervenkitzel, Leidenschaft, Tränen und Freude. Zudem trägt er noch eine wunderbare Botschaft hinaus in die Welt: Eine Behinderung muss nicht das Ende bedeuten, sondern kann auch ein großartiger Anfang sein! 

Diese Geschichte erzählen auch Hiroakis glänzende Augen, als er sagt: „Wir spielen für unser Land und für alle Menschen in Japan, die nach Fukushima alles verloren haben.“  Respekt. Der Wert, der das Team von Hiroaki zusammenhält, ist die Keimzelle der Hoffnung und der Herzschlag der Paralympics.

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