Schüsse in Angola : Wie sicher ist Fußball in Afrika?

Der Anschlag auf den Bus der togoischen Fußballnationalmannschaft vor dem Afrika-Cup in Angola hat Befürchtungen um die Sicherheit bei der WM in Südafrika geweckt. Könnte am Kap Ähnliches passieren?

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Ausnahmezustand. Angolanische Polizisten schützen das Olympische Dorf in Cabinda, wo auch die Mannschaft aus Togo untergebracht...Foto: rtr X02182

Calvin Jordan hatte es fast geahnt. Schon beim Blick auf das katastrophale Transportsystem in Angola beschlich den Mann, der dort für den WM-Gastgeber Südafrika gerade den Afrika-Cup beobachtet, ein ungutes Gefühl: „Ein chaotisches Turnier in Angola wird garantiert neue Zweifel an der Organisation unserer eigenen WM in Südafrika wecken“, meinte er noch vergangene Woche.

Mit dem blutigen Guerillaangriff auf das Nationalteam von Togo ist Angola nun jedoch in ein noch viel größeres PR-Desaster geschlittert, als selbst Jordan erahnen konnte. In der Tat fragt sich nun alle Welt, ob nicht auch in Südafrika ein solcher Vorfall denkbar wäre. Die britische „Daily Mail“ weist in ihrer Onlineausgabe erneut darauf hin, dass es von vornherein äußerst riskant gewesen sei, den Afrika-Cup in ein früheres Bürgerkriegsland zu vergeben, was in gewisser Weise auch für Südafrika gelte.

Geht es nach den Organisatoren der WM am Kap, sind diese Sorgen natürlich völlig überzogen. Südafrikas stets optimistischer WM-Boss Danny Jordaan betont unermüdlich, dass der Anschlag in Angola keine Auswirkungen auf das Fußballfest im Juni am Kap habe, zumal beide Länder überhaupt nicht vergleichbar seien. Vor allem verwahrt sich Jordaan gegen jene Kritiker, die ganz Afrika gerne in einen Topf werfen: „Niemand fordert, dass wir 2012 keine Olympiade in London abhalten sollen, nur weil dort vor ein paar Jahren Bomben explodierten. Vor der WM in Deutschland hat auch keiner um seine Sicherheit gefürchtet, als es Kriegshandlungen im Kosovo gab. Wir müssen endlich von dieser Doppelmoral wegkommen“, ärgert sich der Chef des südafrikanischen Organisationskomitees.

Auch die südafrikanische Regierung lehnt es ausdrücklich ab, die Sicherheitslage in Angola mit der im eigenen Land zu vergleichen. Der stellvertretende Polizeiminister Fikile Mbalula wies am Sonntag nur darauf hin, dass die Sicherheit für die WM 2010 gewährleistet sei: „Wir sind für alles gerüstet und haben die Lage voll im Griff“, sagte er.

Richtig ist, dass Südafrika derzeit nicht mit einer internen Widerstands- oder Sezessionsbewegung konfrontiert ist. In Angola hat sich hingegen gerade der bewaffnete Arm der „Befreiungsfront für die Unabhängigkeit von Cabinda“ zu dem Anschlag auf das togoische Team bekannt – und weitere Aktionen angekündigt. Im Gegensatz dazu droht am Kap derzeit weder vom rechten noch dem linken Spektrum ein gewalttätiger Aufstand gegen den regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC) um Staatschef Jacob Zuma.

Auch der internationale Terror spielt am Kap bislang noch keine große Rolle. Zwar haben angeblich auch in Südafrika zwischenzeitlich Terroristen aus Somalia und dem Nahen Osten Unterschlupf gesucht, doch ist es in den vergangenen zehn Jahren zu keinen politisch motivierten Anschlägen gekommen. Eine muslimische Bürgerwehr konnte in Kapstadt Ende der 90er-Jahre just in dem Moment gestoppt werden, als sie zu einer Terrorbewegung mutierte, die am Kap einen islamischen Gottesstaat etablieren wollte.

Sicherheitsexperten wie Johan Burger vom Institute of Security Studies weisen darauf hin, dass es einen klaren Unterschied zwischen terroristischen Organisationen oder Guerillagruppen und der Kriminalität am Kap gibt. Südafrika weist seit Jahren eine der weltweit höchsten Verbrechensraten auf – und hat es bislang nicht geschafft, die Kriminalität in den Griff zu kriegen. So ist die Zahl der Morde in den zwölf Monaten bis März 2009 landesweit zwar um drei Prozent auf rund 18 000 Fälle gesunken, doch liegt die Anzahl damit pro 100 000 Einwohner fast 20 Mal höher als in Deutschland.

Allerdings geschieht der weit überwiegende Teil der Morde in den schwarzen Wohngebieten. Ein Tourist oder Fußballer, der zwischen Stadion, Unterkunft und Strand oder Wildpark pendelt, muss kaum damit rechnen, ein Opfer der Gewalt zu werden. Anders ist die Lage für viele der 47 Millionen Südafrikaner, die sich nicht immer in solchen Sicherheitszonen bewegen und in ihrem Alltag weit stärker mit der Gewalt konfrontiert sind.

Auch wenn ein Anschlag nie ausgeschlossen werden kann, ist die Wahrscheinlichkeit eines Terrorakts am Kap dennoch eher gering. Für Südafrika könnte sich das Attentat in Cabinda sogar als Weckruf zur rechten Zeit erweisen. Es dürfte das seit der WM-Auslosung vor vier Wochen ein wenig sorglose Gastgeberland daran erinnern, wie schnell ein Anschlag ein Turnier ruinieren kann.

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