Sport : Schüsse in den Tropen

Christian Hönicke

freut sich auf spannende Biathlon-Events mit RTL Wenn sich RTL für etwas interessiert, ist das eine Auszeichnung. Der Fernsehsender findet nämlich nur potenzielle Gewinner spannend. Seit neuestem mag RTL Biathlon. Der Sender will den Sport von 2006 an übertragen und ihn in seine „eventmäßige Strategie“ einbinden. Natürlich müssen einige althergebrachte Gepflogenheiten überarbeitet werden, soll Biathlon tatsächlich ein Event werden. Aber das hat ja auch dem Skispringen nicht geschadet, dem RTL mit Flutlicht, Ausscheidungsmodus und einer Kameraoffensive eine neue Identität verpasst hat.

Erst einmal müsste man die Sache aus den ewig dunklen Nadelwäldern herausholen, wird sich RTL denken. Hervorragend geeignet als Biathlon-Austragungsort wäre die Cargolifter-Halle in Südbrandenburg, die jetzt als Reservat für Tropengewächse dient. Das käme dem Ansinnen des früheren RTL-Chefredakteurs Hans Mahr entgegen, der „das Sportliche mit dem Urlaubsaspekt verbinden“ wollte. Die Gewehre jedoch transportieren nur sehr bedingt Urlaubsstimmung, Armbrüste mit Gummiklebepfeilen wirken weniger martialisch. Und wichtig: Die Pfeile bieten zusätzliche Sponsorenflächen.

Unspektakuläre Schwarzweiß-Zielscheiben sind ebenfalls nicht mehr vermittelbar. Die Athleten könnten stattdessen die tollsten CDs der Neunziger von den Köpfen der Dschungelshow-Kandidaten schießen, die hinter den Dattelpalmen hervorlugen. Bei einem Treffer wird der jeweilige Hit zehn Sekunden angespielt. Tränenbäche sind programmiert, wenn Uschi Disl beim letzten Liegendschießen mit „What is love“ von Haddaway die Führung übernimmt und Minuten später, die Deutschlandfahne schwenkend, unter tosendem Jubel ins Ziel läuft. Fehlt nur noch ein passender Name für das Spektakel. Biathlon klingt ja eher nach Tupperware. Na, den Leuten bei RTL wird schon irgendwas einfallen.

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