SCHÜTZEN mit schlechtem Start : Der Druck des ersten Mals

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Vielleicht war es ein letzter Versuch der Selbstsuggestion, als Beate Gauß vor ihrem Olympiastart auffallend oft davon sprach, sie halte den Druck des ersten Wettkampfes ebenso aus wie die Erwartung, die erste Medaille für Deutschland zu holen. Bei Olympia ist es das Los der Schützen, als Erste antreten zu müssen und von allen anderen beobachtet zu werden. Das ist oft genug schiefgegangen, weil – einmal in der Schießhalle angekommen und schutzlos dem Olympiatrubel ausgesetzt – Gedanken und Gefühle von Athleten nicht mehr so einfach zu steuern sind. Die Disziplin mit dem Luftgewehr über zehn Meter bei den Frauen schien deshalb vor den Spielen in London mit einer Art Fluch belegt. Wie schwierig der erste Auftritt trotz aller Vorbereitung sein kann, erfuhren bei ihrer ersten Olympiateilnahme auch Beate Gauß (Ammerbusch/392 Ringe) und Jessica Mager (Solingen/394), die in den Royal Artillery Baracks im Norden der Stadt bereits in der Qualifikation scheiterten. Siling Yi (399) gewann für China die erste Goldmedaille der Spiele – vor Sylwia Bogacka (Polen/399) und Dan Yu (China/398).

„Sie können alle 400 schießen, aber entscheidend ist, wer die Nerven unter Kontrolle hat“, meinte DSB-Sportdirektor Heiner Gabelmann nach dem gescheiterten Projekt. „Das heute war anders als alles, was ich bisher erlebt habe“, sagte Beate Gauß- „Diejenigen Athleten, die das zweite Mal bei Olympia dabei sind, haben sicher einen Vorteil.“ Jessica Mager war nur noch traurig: „Ich bin von mir selbst enttäuscht und kann noch nicht nachvollziehen, was passiert ist. Ich habe mich vorher so gut gefühlt und war im Kopf fit.“ Mit der Luftpistole traten am Nachmittag die Männer an, auch hier gab es keinen deutschen Erfolg. Florian Schmidt hatte das Finale deutlich verpasst – er belegte nur Platz 25. Sieger wurde der Südkoreaner Jin Jong-oh mit 688,2 Ringen vor Luca Tesconi (Italien/685,8) und dem Serben Andrija Zlatic (685,2)Oliver Trust, London

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