Sport : Schuld sind die Spieler

Der 1. FC Köln verliert die Orientierung – Trainer Friedhelm Funkel darf sie weiter suchen

Erik Eggers

Köln. Die Sonne schien am Geißbockheim, und die vielen Spaziergänger rund um die mitten im Grünen gelegene Geschäftstelle des 1. FC Köln vermittelten eine frühherbstliche Idylle. Allein die Gesichtszüge der Vereinsangestellten wirkten, als es Sonntag Mittag zum obligatorischen Auslaufen ging, geradezu eingefroren.

Die Spieler Lottner, Voigt und Springer blickten betreten zu Boden, pikiert, schweigend, ausdruckslos. Vorher hatten sie zwanzig Minuten lang mit Trainer Friedhelm Funkel und Manager Andreas Rettig über die Leistung der Mannschaft vom Vortag gesprochen. Über jene Leistung, die am Vortag zu einer verheerenden 1:4-Heimniederlage gegen den SV Werder Bremen führte und die Rettig als „schallende Ohrfeige für den Trainer und Manager“ bezeichnete.

Es hatte bizarre Szenen gegeben in diesem Spiel, bei dem der FC nach dem frühen 0:1 „völlig durcheinander geraten war“, wie Matthias Scherz meinte. Mittelfeldspieler Florian Kringe verstolperte jeden Ball und gewann nicht einen Zweikampf, bis ihn Trainer Funkel in der 42. Minute mit der Auswechslung erlöste. Innenverteidiger Moses Sichone flüchtete einmal geradezu vor dem angreifenden Micoud, was diesen derart verwirrte, dass er den Ball, weit neben das Tor schlenzte. Die Statistiker zählten 27 Chancen für Bremen, gut die Hälfte davon hochkarätig. Es hätten auch leicht sieben oder acht Gegentore für Köln fallen können.

Der FC präsentierte sich bei seiner sechsten Niederlage im siebten Bundesligaspiel den 33 000 Zuschauern in desolatem Zustand. Funkel, der gewöhnlich das Spiel mit lautstarken Anweisungen begleitet, verfolgte die Arbeitsverweigerung seiner Elf geschockt, wie angewurzelt stand er die ganze Zeit am Spielfeldrand. Später musste er, weil Hunderte von wütenden Fans das Marathontor blockierten, in Abstimmung mit der Polizei separat von der Mannschaft aus dem Stadion gefahren werden. Ein Auftritt vor den Fans, die nach Christoph Daum riefen, „wäre kontraproduktiv gewesen, die Stimmung war zu aufgeheizt“, sagte Manager Rettig.

Die Konsequenzen, die den Journalisten gestern mitgeteilt wurden, betreffen indes nicht den Trainer, sondern die Spieler, deren „Einstellung zum Arbeitgeber und zum Beruf“ sich laut Manager Rettig ändern müssten. Ab sofort ist der freie Montag gestrichen, und die Spieler haben nun einen Zapfenstreich einzuhalten. Laut Rettig muss „jeder Spieler um 22 Uhr zu Hause erreichbar sein“. Zudem werden die Spieler am Dienstagabend in den Fanklubs Öffentlichkeitsarbeit verrichten müssen, denn „jeder Einzelne soll jetzt spüren, wie die Stimmung ist,“ sagte Rettig. Keiner dürfe sich hinter den „Funkel-Raus“-Rufen verstecken, „kein Spieler darf glauben, er darf sich hier verpissen“. Funkel werde vor dem nächsten Spiel in Stuttgart nicht entlassen, und auch eine schleichende Entmachtung des Trainers schloss Rettig aus. Dennoch ist klar: Einen weiteren Auftritt dieser Qualität kann sich Funkel nicht leisten. Der Coach selbst kündigte nun an, dass „andere Namen“ in Stuttgart auflaufen werden.

Rettig weiß, dass ein Trainerwechsel auch nichts helfen würde. Obwohl der Manager „vom Potenzial der Mannschaft überzeugt ist“, sind keine personelle Alternativen vorhanden. Der Kader ist klein, und auch der wieder genesene Mustafa Dogan, dessen Verletzung zuvor als Erklärung für die Abwehrschwächen herhalten musste, wird die Defizite in der Verteidigung nicht sofort ausgleichen können.

Spielerisch sind die Mittel von Akteuren wie Voigt oder Cullmann ohnehin limitiert. Dass der FC in der Bundesliga derzeit nur über eine überragende Einstellung gewinnen kann, haben die Spieler am Samstag eindrucksvoll dokumentiert.

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