Sport : Schuld und Bringschuld

Friedhard Teuffel

Im Radsport gab es bisher eine eigene Denkweise: Solange ein Fahrer nicht erwischt wird, ist er unschuldig. Gedopt ist schließlich nur derjenige, der eine positive Probe abgibt. Nach dieser Logik hatte bisher auch das Team T-Mobile gehandelt und ebenso sein Vorgänger, das Team Telekom. Der Fall um den spanischen Dopingarzt Fuentes hat jedoch der Teamleitung offenbar das vermittelt, was andere schon seit Jahren wussten: Doping muss nicht allein mit positiven Proben bewiesen werden; auch Blutkonserven, abgehörte Telefongespräche oder Listen mit Vergabezyklen reichen für einen handfesten Verdacht aus. Schlagartig hat T-Mobile den Sommer der Ehrlichkeit ausgerufen. Erst suspendierte es seinen Schnellfahrer Jan Ullrich, gestern hat es sich ganz von ihm getrennt.

Inzwischen handelt also auch das Team T-Mobile nach dem gesunden Menschenverstand. Es hat sich die Frage des Radsportpublikums zu Eigen gemacht: Warum bemüht sich Jan Ullrich nicht um einen Unschuldsbeweis? Das Team hat Ullrich nicht wegen Dopings entlassen, sondern wegen dessen ausgebliebener Aufklärungsarbeit. Wenn Ullrich schon von Schuld nichts wissen wollte, so hätte er zumindest die Bringschuld annehmen müssen. Der Verweis auf die Absprache mit seinen Rechtsanwälten mag in den ersten Tagen noch als Nebelkerze gewirkt haben. Als sich der Rauch lichtete, stand jedoch immer noch derselbe Verdacht im Raum wie zuvor: dass Ullrich sich mit verbotenen Hilfsmitteln Beine macht.

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