Sport : Schulden hier, Schulden da

Der SSV Reutlingen kämpft um mehr als nur drei Punkte gegen den 1. FC Union

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Berlin (Tsp). Die Tabelle der Zweiten Fußball-Bundesliga sieht merkwürdig aus. Der VfB Lübeck steht mit neun Punkten auf dem ersten Platz, dahinter folgen Eintracht Frankfurt und der 1. FC Köln. Nichts Außergewöhnliches (bis auf die Tabellenführung der Lübecker natürlich, wo doch eigentlich die Kölnner da oben zu stehen haben. Am Tabellenende aber, da steht der SSV Reutlingen. Dessen Punktestand: Minus Drei.

Die Reutlinger haben vor zwei Wochen in Braunschweig das erste Mal und somit, nun ja, sogar häufiger als die sechs vor ihnen stehenden Klubs gewonnen. Doch selbst wenn der SSV Reutlingen heute Abend gegen den 1. FC Union siegen sollten, dann hat der Klub noch immer null Punkte auf dem Konto.

Den Reutlingern geht es schlecht. Kurz vor der Sommerpause wurde dem Klub die Lizenz erst verweigert, dann wieder zugeteilt, und als kaum einer mehr durchblickte, kam die Strafe der Deutschen Fußball-Liga (DFL): Dem SSV Reutlingen werden sechs Punkte abgezogen. Und denen rennen die Profis nun hinterher.

Am Montagabend dann kam es so richtig hart: Den Verein sollen 3,7 Millionen Euro Schulden drücken. Für einen Zweitligisten ist das eine gewaltige Summe. Die Fernsehgelder sind seit der Kirch-Krise nicht gerade gestiegen. Einen Hauptsponsor haben sie in Reutlingen bislang nicht gefunden. Und von den Zuschauereinnahmen allein kann ein Verein in dieser Liga nicht leben.

Jetzt hat der SSV zumindest wieder einen Vorstand. Die Mitglieder wählten spät in der Nacht Hans Kullen für drei Jahre zum Präsidenten. Kullen sagt: „Wir müssen unsere Glaubwürdigkeit zurückgewinnen.“ Und: „Wir dürfen in Zukunft nicht mehr ausgeben als wir einnehmen.“ Schließlich: „Wir haben es noch lange nicht geschafft.“

Hans Kullen ist der Nachfolger von Dieter Winko, der am 30. April nach dem zwischenzeitlichen Lizenzentzug durch die Deutsche Fußball-Liga zurückgetreten war. Jetzt will Kullen bei der DFL ein Gnadengesuch einreichen mit dem Ziel, den wegen der Lizenzverstöße verhängten Sechs-Punkte-Abzug für die laufende Saison zu reduzieren.

Unions Trainer Georgi Wassilew hat so seine Befürchtungen vor dem Spiel. Der Gegner kämpft ums Überleben. Wassilew sagt: „Reutlingen wird alles versuchen und mit allen Mitteln kämpfen. Darauf müssen wir uns einstellen.“ Nach dem Spiel in Reutlingen geht es für Union gegen den Bundesligaabsteiger FC St. Pauli. „Wenn wir aus beiden Spielen vier Punkte holen, wäre das eine akzeptable Ausbeute, mit der wir gut leben könnten“, sagt Präsident Heiner Bertram. Neben Ivan Kozak (Kreuzbandriss) wird Union in Reutlingen nur Stürmer Salif Keita wegen einer Augenverletzung fehlen. Für ihn wird im Angriff wahrscheinlich Petar Divic spielen, der in den vergangenen Wochen außer Form geraten war. Und das im doppelten Sinne. Tom Persich, Sreto Ristic und Mannschaftskapitän Steffen Menze sind nach ihren Verletzungen auch wieder fit.

In Reutlingen haben sie noch schnell im Archiv nachgeschaut: Dem Bundesligisten Dynamo Dresden wurden 1994 vier Punkte abgezogen – und trotzdem hatte es Dynamo geschafft, die Liga zu halten. So etwas gibt Mut.

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