Sport : Schuldentilgung ab 2010

Dem 1. FC Union fehlen aktuell 873 000 Euro

Karsten Doneck

Berlin - Die Zahl klingt alarmierend. Auf 15 Millionen Euro belaufen sich die Verbindlichkeiten beim Fußball-Regionalligisten 1. FC Union. Auf die paar Euro, die da noch hinter dem Komma folgen, kommt es bei dieser Summe schon gar nicht mehr an. Doch Union verfällt deshalb nicht in Panik. Präsident Dirk Zingler wies gestern Abend auf Unions Mitgliederversammlung vielmehr darauf hin, dass im Moment lediglich 873 000 Euro kurzfristige Verbindlichkeiten ihrer Rückzahlung harren. Sogar in der einen Saison Oberliga sei es dem Klub gelungen, Verbindlichkeiten abzubauen – um knapp 400 000 Euro, immerhin.

Und die 15 Millionen? Auf einen Großteil dieses Schuldenbergs blickt Union relativ entspannt. Über zehn Millionen davon hat der damalige Filmrechtehändler Michael Kölmel (Kinowelt) locker gemacht, um den Klub seit Januar 1998 immer mal wieder vor dem Konkurs zu bewahren. Zwischen Kölmel und Union gibt es seit geraumer Zeit eine vertragliche Übereinkunft, dass die über zehn Millionen Euro erst dann zurückgezahlt werden müssen, wenn der Verein Gewinne erwirtschaftet – aber welcher Fußballverein erzielt heutzutage noch Gewinne?

So bezifferte Union gestern Abend gegenüber den Mitgliedern seinen Schuldenstand mit lediglich 2,948 Millionen Euro. Mit der Rückzahlung hat es der Verein nicht eilig. „Erst 2010 müssen wir anfangen, die Schuldsumme zu tilgen“, sagt Zingler.

Im Haushaltsplan für die laufende Regionalliga-Saison kalkuliert Union mit Einnahmen in Höhe von 4 218 241,42 Euro. Das meiste Geld, nämlich 2,25 Millionen, soll durch Werbeverträge hereinkommen. „85 Prozent dieser Summe sind schon jetzt vertraglich fest“, sagt Zingler stolz. Etwas kümmerlich nehmen sich die Einnahmen unter der Rubrik Transfererlöse aus: Ein Betrag von gerade mal 7500 Euro ist dort vermerkt.

Bei allem Bemühen, die Schulden unter Kontrolle zu behalten, wird Union aber auch die sportliche Ziele nicht vernachlässigen. „Der Verein braucht ein modernisiertes Stadion“, sagt Zingler mit drohendem Unterton. „ Sonst müssen wir in zwei, drei Jahren sportlich einen oder zwei Schritte zurückgehen.“ Insgesamt hat der Präsident aber andere Vorstellungen: „Wir werden auch mal wieder behutsam investieren müssen.“ Erst einmal schob der 1. FC Union einen unliebsam gewordenen Spieler ab. Mit dem seit langem suspendierten Jörg Schwanke, der vor dem Arbeitsgericht durch eine einstweilige Verfügung seine Teilnahme am Training erstritten hatte, einigte sich der Verein gestern außergerichtlich auf eine Auflösung des Arbeitsverhältnisses zum 31. Oktober. Kostenlos war die Trennung für Union sicher nicht.

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