Sport : Schuljungenreport

Bayer Leverkusen wird beim 0:3 in Stuttgart vorgeführt und taumelt der Zweiten Liga entgegen

Oliver Trust

Stuttgart. Matt leuchtete die Kopfhaut durch das schüttere Haar von Jürgen Kohler. Gefrustet saß der Retter des vergangenen Wochenendes nach dem Sieg über Hertha auf der Bank von Leverkusen. Wie gelähmt schaute der Sportdirektor den Spielern im roten Bayer-Trikot zu, die beim 0:3 im Daimler-Stadion vor 44 500 Zuschauern neben ihren Gegnern teilnahmslos her liefen. Was Kohler so fassungslos machte, war vor allem die Leichtigkeit, mit der die Stuttgarter ihren Gegner wie Schuljungen vorführten.

Mit gesenktem Kopf schritt Kohler in die Kabine, vorbei an jubelnden Schwaben, die mit vier Punkten Vorsprung auf den Dritten Borussia Dortmund Platz zwei festigten und Richtung Champions League stürmen. Amanatidis, Hleb und Ganea schossen die Tore gegen wehrlose Leverkusener, die durch die Niederlage wieder auf einen Abstiegsplatz rutschten. „Wir haben den ganzen Nachmittag verschlafen“, sagte Bernd Schneider. „Heute hat man gesehen, dass wir da unten zu Recht stehen.“

Draußen veranstalten die Sieger mit ihren Fans eine Art Stadionfest. Mit teilweise traumhaften Kombinationen setzten die Schwaben Bayer unter Druck. Ohne Hektik zogen die Stuttgarter ihr Spiel auf. Immer einen Schritt schneller, immer in der besseren Position, immer überraschend mit dem Ball. „Die Champions League ist noch nicht in unseren Köpfen. Heute hat uns das 2:0 noch ruhiger gemacht“, sagte Krassimir Balakow.

Von der Champions League aber wollten die Stuttgarter nicht sprechen. „Man darf sich nicht blenden lassen, Leverkusen war schwach“, sagte Balakow. Trainer Felix Magath sah den Grund des Stuttgarter Erfolges in der Tatsache begründet, „dass wir es trotz allen Geredes über die Champions League geschafft haben, uns ganz auf dieses Spiel zu konzentrieren. Wir haben das Ziel Uefa-Cup, und da sieht es gut aus, was also sollte uns Angst machen“.

Von Angst wollte auch Leverkusens Manager Reiner Calmund nicht sprechen. „Es geht hier nicht um eine Niederlage bei der Mannschaft der Saison, es geht um die Art und Weise. Es gab keine Gegenwehr“, sagte Calmund. Und Trainer Thomas Hörster schimpfte: „Was wir hier abgeliefert haben, war die totale Ergebenheit. So kannte ich meine Mannschaft bisher noch nicht.“

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