Sport : Schumacher darf noch nicht fahren, Irvine bleibt in Spa Teamchef

Karin Sturm

Eddie Irvine kann seine klammheimliche Freude nicht besonders gut verhehlen - auch wenn er sich bemüht: Schließlich bleibt ihm Michael Schumachers Schatten zumindest noch für ein Rennen erspart. Ausgerechnet in Spa, auf Schumachers Königsstrecke, auf der der Kerpener vier Siege feierte, kann er noch einmal auf die ungeteilte Aufmerksamkeit des Ferrari-Teams bauen. Freilich, der Druck auf ihn ist dadurch noch gesteigert: Denn nach dem Ausrutscher und dem (nur) dritten Platz von Budapest ist Irvine gerade in Italien genauso schnell in die Kritik geraten, wie man ihn zuvor nach den beiden Siegen von Österreich und Hockenheim in den Himmel hob. In Spa, auf der vielleicht anspruchsvollsten Strecke überhaupt, muss Irvine beweisen, dass er in der Lage ist, auch aus eigener Kraft Rennen zu gewinnen - ohne "Mithilfe" von McLaren-Mercedes und ohne "Geschenke" von seinen Teamkollegen Mika Salo.

Selbst wenn ihm das gelingen sollte - auf die Begleitung von Ferrari-Rennleiter Jean Todt auf dem Siegerpodest darf er nicht unbedingt hoffen. Denn der, ein eingefleischter Freund Schumachers, hat gegenüber französischen Vertrauten deutlich gesagt: "Bevor Michael nicht zurück ist, steige ich auf kein Siegertreppchen." Diese Nibelungentreue kann allerdings nicht verhindern, dass er die von weiter oben ausgegebene Linie ("Lieber Irvine als Weltmeister als gar kein Ferrari-Weltmeister") unterstützen muss. Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo, der immerhin ein 200-Millionen-Dollar Jahresbudget gegenüber dem Fiat-Konzern rechtfertigen muss, hat unmissverständlich klar gemacht, dass der Titelgewinn für Ferrari oberste Priorität hat. Zumindest ihm kommt die verlängerte Pause Schumachers deshalb eher entgegen: Damit sind im Team klare Verhältnisse geschaffen, mögliche Teamorder-Debatten erübrigen sich.

Oder wie hätte Ferrari sonst reagieren sollen, hätte Schumacher in Spa vor Irvine gelegen - eventuell nicht einmal mit Häkkinen in Front? Auf wen oder was hätte man setzen sollen? Auf den wahrscheinlicheren Titelkandidaten Irvine - oder auf den PR-trächtigeren und eigentlich dafür prädestinierten Schumacher, mit dem Risiko, dann McLaren-Mercedes in die Hände zu spielen?

Die Formulierung der offiziellen Ferrari-Erklärung, selbst Schumachers Start in Monza in 14 Tagen hänge vom Ergebnis eines dreitägigen Tests in der kommenden Woche ab, lässt die Interpretation zu, dass man vielleicht sogar daran denkt, die Rückkehr der Nummer 1 noch weiter zu verschieben, sollte es aus WM-taktischen Gründen opportun erscheinen. Irvine, der sich letzte Woche mit einer Slapstick-Einlage (Irvine an Schumachers Krücken) nicht nur Freunde machte, könnte sich dann wohl ein weiteres Grinsen nicht verkneifen. Den großen WM-Rivalen Mika Häkkinen, im Moment zwei Punkte hinter Irvine, lassen diese Debatten kalt: "Mir ist es letztlich egal, gegen wen ich um den Titel kämpfe. Ich muß jeden ernst nehmen, Irvine genauso wie Schumacher. Ich kann und werde hier wie überall nur eines tun: das Bestmögliche geben. Und wenn dann das Pech bei uns nicht wieder so zuschlägt wie einige Male in diesem Jahr, dann sollte das auch reichen. Denn wir haben ein Auto, das besser ist als das letztjährige."

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