Sport : Schumacher gibt Gas und lässt sich Zeit

In Istanbul startet er als Zweiter vor Alonso – die Entscheidung über seine Zukunft könnte sich verzögern

Karin Sturm[Istanbul]

Auf der Strecke ließ Michael Schumachers Schnelligkeit nichts zu wünschen übrig. Beim Qualifikationstraining zum Großen Preis der Türkei am Sonntag (14 Uhr/live bei RTL und Premiere) fuhr der Ferrari-Pilot hinter seinem Teamkollegen Felipe Massa auf Platz zwei und blieb damit vor seinem WM-Rivalen Fernando Alonso, der Dritter wurde. Im Gegensatz zu den Leistungen auf der Strecke in Istanbul scheint es der 37-Jährige bezüglich der Fortsetzung seiner Karriere nicht besonders eilig zu haben. Auf die leicht provokante Frage, ob es denn bei nur noch 14 Tagen Zeit bis zum geplanten Entscheidungstermin nicht langsam Zeit wäre, mit den Gedankenspielen über seine Zukunft zu einem Ergebnis zu kommen, meinte der siebenmalige Weltmeister mit leichtem Grinsen: „14 Tage sind 14 Tage. Und außerdem – vielleicht bekomme ich ja noch ein bisschen mehr Zeit.“

Tatsächlich erscheint es durchaus möglich, dass Schumacher von seinem Rennstall einen Aufschub über den Großen Preis von Italien in Monza hinaus bekommt – auch wenn Ferrari offiziell noch das Gegenteil behauptet. Das Knäuel aus gegenseitigem Taktieren, persönlichen Forderungen und möglichen vertraglichen Verwicklungen lässt sich wohl nicht so einfach durchschlagen. Der Einzige, der das könnte, ist Ferrari-Chef Luca Di Montezemolo. Doch er hat ein Problem: Er will Schumacher auf keinen Fall verlieren, mit Blick auf die mittelfristige Zukunft seines Teams muss er aber alles daransetzen, Kimi Räikkönen so schnell wie möglich an die Roten zu binden.

Der Finne, derzeit noch bei McLaren-Mercedes am Steuer, soll einen Vorvertrag bei Ferrari unterzeichnet haben und würde wohl der unangenehmste Teamkollege in Schumachers Karriere. Verschiedenste Quellen wollen daher erfahren haben, dass Schumacher seinem Chef erklärt haben soll, er würde nur mit Felipe Massa an seiner Seite weitermachen, nicht aber mit Räikkönen. Auffällig häufig jedenfalls stimmte der Deutsche in letzter Zeit Lobeshymnen auf den kleinen Brasilianer Massa an, der in Istanbul seine erste Poleposition herausfuhr. Und Massa bemerkte zudem im Kreise brasilianischer Journalisten, er könne sich gut vorstellen, dass es „in Monza noch nichts Neues gibt, weil so viele Entscheidungen eben noch nicht gefallen sind“.

Gleichzeitig verlautet aus Schumacher nahe stehenden Kreisen des Reifenherstellers Bridgestone, der Deutsche dränge darauf, zunächst von Jean Todt und Ross Brawn eine Entscheidung über deren Zukunft zu bekommen, ehe er eine über seine eigene treffe. Im Nachhinein eine interessante Bedeutung bekommt Schumachers Ankündigung aus dem Frühjahr. „Ich entscheide mich erst nach Ende der Saison“, hatte er gesagt. Erst sein Chef Jean Todt legte dann drei Tage später Monza als Termin fest.

Wie lange kann sich Luca Di Montezemolo auf dieses gegenseitige Abwarten und Pokern einlassen? Sowohl McLaren als auch Kimi Räikkönens Management bestätigen jedenfalls, dass noch nichts endgültig entschieden sei und man weiterhin miteinander spreche. Im schlimmsten Fall könnten Räikkönen, von dem ganzen Hickhack genervt, trotz Vorvertrag doch noch abspringen und Michael Schumacher seinen Rücktritt verkünden. Dann stünde Ferrari auf einmal mit Felipe Massa allein da.

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