Sport : Schumacher mit Dach

DTM-Legende Bernd Schneider tritt am Sonntag ab

Christian Hönicke,Karin Sturm

Normalerweise wehren sich Sportler gegen Vergleiche mit anderen Sportlern. Wenn der Rennpilot Bernd Schneider mit Michael Schumacher gleichgesetzt wird, wehrt er sich nicht. „Das macht mich stolz“, sagte er dann. „Michael ist der beste Rennfahrer der Welt – mit ihm verglichen zu werden, ist eine Ehre.“ Vielleicht auch, weil er weiß, dass er mit ein bisschen mehr Glück und ein wenig mehr Geld selbst an Schumachers Stelle hätte sein können. Immerhin wird der 44-Jährige am Sonntag (14 Uhr/ARD) nach dem Saisonfinale der DTM in Hockenheim nach weitläufiger Meinung als bester Pilot eines Autos mit Dach abtreten.

Schneider hat die Tourenwagenserie DTM ähnlich wie Schumacher die Formel 1 dominiert. Sein Name wurde zu einem Synonym für die DTM und sein Team Mercedes. 43 Mal fuhr er in 17 Jahren zuerst über die Ziellinie, fünf Mal holte er den Titel, zwischendrin wurde er auch noch Weltmeister in der FIA-GT-Serie. Trotz aller Erfolge blieb er bodenständig und bescheiden. Er zog nach Monaco zu den Formel-1-Größen, das schon, doch die Verbindung nach St. Ingbert im Saarland gab er nie auf – und den Umzugswagen fuhr er selbst über die Alpen.

Was das Talent angeht, brauchte sich Schneider vor seinen neuen Nachbarn nicht zu verstecken. Die Voraussetzungen zum Grand-Prix-Star hatte er auf alle Fälle. Seit seiner Kindheit hatte er Trophäe um Trophäe geholt, unter anderem 1980 die des Kart-Junioren-Weltmeisters. „Zwei bis drei Zehntel“ pro Runde sei er schneller als alle anderen, hat sein Teamchef Hans-Werner Aufrecht einmal über ihn gesagt. Dazu diese Souveränität, dieses Selbstbewusstsein, dieses technische Verständnis, diese Begeisterungsfähigkeit.

Schneiders Aufstieg in den Rennsportolymp scheiterte nicht am Fahrvermögen, sondern an einem Kriterium, das in der Formel 1 noch wichtiger ist: Geld. Um den Start in der Formel 3 zu finanzieren, verkaufte er sein Privatauto – in der Formel 1 kam er mit solch mickrigen Einsätzen nicht weiter: „Eine Million, dann warst du schlecht – bei zehn Millionen prima.“

Weil er nicht genügend Sponsorenmillionen zusammenbrachte, konnte er sich nur Sitzplätze bei Zakspeed und Arrows leisten. Hätte er zumindest ein, zwei Millionen Mark mehr mitgebracht, hätte er sich vielleicht ein Cockpit im Jordan erkaufen können – jenem Wagen, in dem Michael Schumacher kurz darauf seinen Siegeszug begann. Doch in den fahrenden Hindernissen, die er pilotierte, konnte Schneider seine Begabung nie wirklich zeigen. 24 Mal scheiterte er zwischen 1988 und 1990 in der zu dieser Zeit üblichen Vorqualifikation. „Ich habe immer versucht, meine Chancen zu nutzen, aber damals hatte ich halt keine. Wir haben es teilweise noch nicht mal aus der Box geschafft, weil die Motoren kaputt gingen.“ Trotzdem schaffte es der gelernte Stahlbetonbauer, immerhin neunmal in der Formel 1 an den Start zu gehen. „Es war geil, mit Senna in der Formel 1 zu fahren. Das war mein Traum seit dem fünften Lebensjahr.“ Ein Traum, der viel zu schnell zu Ende ging. „Es war meine größte Enttäuschung, als ich kapieren musste, dass meine Formel-1-Karriere vorbei ist.“

Verbittert wurde er deswegen nicht. Schließlich brachte ihn das Pech in der Formel 1 zum Glück in der DTM. Nun, nach 17 Jahren, stellt er den Motor ab. „Es war stets mein Ziel aufzuhören, solange mir der Sport noch Spaß macht und ich konkurrenzfähig bin“, sagte er. „Dieser Zeitpunkt ist jetzt gekommen.“ In der Tat: Auch wenn die Meisterschaft in Hockenheim zwischen Audi-Pilot Timo Scheider und Paul di Resta (Mercedes) entschieden wird, brachte es Bernd Schneider in dieser Saison selbst als 44-Jähriger noch fertig, ein Rennen zu gewinnen. Für seinen Abschied am Sonntag hat er einen bescheidenen Wunsch: „Hoffentlich bin ich in einen Zweikampf um den Sieg verwickelt. Dann hab ich nicht so viel Zeit, über meine letzten Runden nachzudenken.“

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