Schumacher-Prozess : Weiterer Arzt wusste nichts

Schumacher, Kopp, Kohl, Rebellin und andere: Zahlreiche Radprofis bei Gerolsteiner haben gedopt. Mit wessen Hilfe, das konnte auch ein weiterer ehemaliger Gerolsteiner-Teamarzt im Betrugsprozess gegen Schumacher nicht erklären. Er habe damit nichts zu tun gehabt.

Nach rund drei Stunden hörte der ehemalige Gerolsteiner-Arzt Ernst Jakob auf zu antworten. Sein Mandant werde ab sofort von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen, kündigte sein Anwalt Volkmar Mehle am Dienstag vor dem Landgericht Stuttgart an. Im Betrugsprozess gegen den Radprofi Stefan Schumacher war der Leiter der Sportklinik Hellersen zwar Zeuge. Aber die vielen Fragen der Richter zu seiner Rolle gefielen ihm offensichtlich nicht.

Das Schweigen blieb nach der Mittagspause zunächst eine Drohung, aber auf die zentrale Antwort warteten Richter und Anwälte vergeblich: Wie konnten neben Schumacher noch zahlreiche andere Fahrer des Teams dopen, ohne dass es ein Verantwortlicher mitbekommen haben will?

Zwar beantwortete Jakob die Fragen der Staatsanwälte, die Fragen von Schumachers Verteidigung wurden aber abgelehnt - mit Verweis auf das Auskunfsverweigerungsrecht oder mit dem Antrag, dass das nichts zur Sache tue. Womöglich muss Jakob wegen der vielen verweigerten Antworten erneut vor dem Landgericht erscheinen.

Schumacher, Bernhard Kohl, David Kopp, Davide Rebellin und andere Träger des blauweißen Gerolsteiner-Trikots sind durch positive Doping-Proben aufgeflogen oder haben den Gebrauch illegaler Substanzen mittlerweile gestanden, die meisten auch beides. Aber nach Achim Spechter, der im Juli aussagte, vertrat auch sein Mediziner-Kollege Jakob den Standpunkt: Doping bei uns? Wussten wir nicht. Dabei hatte ihn mindestens ein Fahrer auf Epo angesprochen.

Laut Jakob waren verbotene Mittel im inzwischen aufgelösten Radrennstall in keiner Weise geduldet. „Die Direktive war: In diesem Stall findet kein Doping statt“, berichtete der 63-Jährige am zwölften Verhandlungstag. Mit seinen Angaben stützte er die Position von Hans-Michael Holczer, der erlaubtes Doping in seinem ehemaligen Rennstall stets abgestritten hat.

In Stuttgart soll bis spätestens 8. Oktober die Frage geklärt werden, ob Schumacher Ex-Teamchef Holczer um Gehalt in Höhe von 151 463,50 Euro betrogen hat, weil er bei der Tour de France 2008 Doping trotz Nachfrage abgestritten hat. Im Nachhinein war Schumacher aber positiv getestet und gesperrt worden. Der 32-Jährige vertritt den Standpunkt, Holczer habe über Doping im Team Bescheid gewusst und könne daher nicht betrogen worden sein. Holczer bestreitet das.

Am Dienstag sagte Jakob auch aus, dass Holczer eigentlich keine Möglichkeit gehabt habe, Dopingverstöße im Team zu bemerken. Über medizinische Themen hätten sich die Ärzte mit der sportlichen Leitung wegen der Schweigepflicht nicht ausgetauscht. Nur wenn ein Fahrer länger auszufallen drohte, sei Holczer informiert worden.

Von Fahrern sei er in seiner Zeit (2005-2008) bei Gerolsteiner auch nie um Hilfe beim Doping gebeten worden. Wenig später sagte Jakob dann aber folgende Sätze: „Es gab auch Profisportler bei Gerolsteiner, die Doping-Fragen gestellt haben. Ist das Mittel leistungsfördernd, ist es nachweisbar“, erzählte er. „Ich habe darauf durchaus Antworten gegeben, aber klar darauf hingewiesen, dass es im Team Gerolsteiner dieses Vorgehen nicht geben kann.“ Schumacher und Kopp hatten angegeben, Jakob habe sie beim Dopen beraten.

„Weder mit Schumacher noch mit Kopp habe ich Gespräche darüber geführt, wie man dopt“, sagte Jakob nun. Ohnehin seien ihm von Fahrern „keine massiven Dopingwünsche vorgetragen worden“. Wie das bei anderen Medizinern gewesen sei, könne er nicht sagen.

Ein Gespräch über das Blutdopingmittel Epo mit Kopp, von denen der Ex-Radfahrer im Juni berichtet hatte, bestätigte Jakob. „Die Gespräche zu Epo haben in der Tat stattgefunden. Ich konnte nicht sagen, Epo wirkt nicht. Das ist wirklich das Medikament, das Leistungssteigerungen bringt“, berichtete Jakob. „Ich habe versucht klarzumachen, dass Epo nachzuweisen ist.“ Er habe „in keinster Weise auch nur eine einzige Anweisung gegeben, wie Epo zu nehmen wäre.“ (dpa)

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