Sport : „Schumachers Abgang wäre kein Verlust“

Niki Lauda über die Zukunft der Formel 1, die neuen Regeln und fehlende Persönlichkeiten

-

Die Formel1-Saison 2002 war nicht die erfolgreichste der letzten Jahre – nun soll alles anders werden. Wird 2003 wirklich alles besser?

Ferrari und Michael Schumacher werden eine gewisse Überlegenheit sicher behalten, sie waren in den letzten Jahren einfach die Besten. Aber man bringt jetzt durch die neuen Trainingsregeln neue Variable mit ins Spiel, was dann sicher zu nicht mehr so monotonen Startaufstellungen und damit auch zu interessanteren Rennen führen wird.

Sie begrüßen also die neuen Regeln?

Absolut. Innerhalb des politisch Möglichen, innerhalb des Spielraums, den das Concorde-Abkommen für Veränderungen bietet, war das so ziemlich das Optimale, was man machen konnte…

Was war der wirkliche Grund für die Reformen – zu sparen oder Ferrari auszubremsen?

Kosten zu sparen war der eine Faktor, aber der zweite sicherlich auch, für mehr Spannung und interessantere Rennen zu sorgen.

Also hat Max Mosley, der Präsident des Automobil-Weltverbandes Fia, etwas Gutes für die Formel 1 getan?

Man muss eines sehen – Mosley hat ja die Teams und Hersteller immer wieder um Vorschläge gebeten. Sie sollten Lösungen für die anstehenden Probleme bringen – und er hat ihnen dafür ja durchaus eine ganze Menge Zeit gegeben. Aber da ist ja nichts passiert, die haben ja nichts zustande gebracht.

Und dann hat er eben selber was gemacht?

Genau, dann hat er eben durchgegriffen, letztlich durchgreifen müssen, damit sich überhaupt was bewegt. Und dadurch ist es halt so spät geworden mit diesen Entscheidungen. Da kann man jetzt natürlich rein rechtlich dagegen vorgehen, wie das Ron Dennis und Frank Williams ja auch tun wollen. Aber letztlich sollten sich einige der Herren auch mal an die eigene Nase fassen – sie haben sich zum großen Teil auch selbst zuzuschreiben, wie das gelaufen ist.

Nur nehmen die Hersteller das zum Anlass, wieder verstärkt mit einer eigenen Rennserie zu drohen.

Eines müssten die alle, ob Hersteller oder Teamchefs, mal erkennen: Je mehr gestritten wird, je uneiniger die alle sind, desto mehr spielen sie doch Mosley in die Hände, desto mehr Macht bekommt er.

Könnten denn zwei Serien existieren?

Nein, bestimmt nicht! In einer wirtschaftlichen Krisenzeit, in der wahrscheinlich auch noch ein länger dauernder Krieg droht, auch noch eine zweite Serie zu starten, das wäre glatter Selbstmord.

Mosley deutet an, dass er die Formel 1 nicht unbedingt auf die Werke aufgebaut sehen möchte. Braucht die Formel 1 die Hersteller?

Auf jeden Fall. Alle sollten doch froh sein, dass die Werke eingestiegen sind und dadurch die Formel 1 aufgewertet haben. Darauf verzichten zu wollen, das wäre Wahnsinn. Dann kämen wir wieder zurück zu den Garagenbastlern von früher.

Aber die Garagenbastler haben zum Beispiel in den Siebzigerjahren, in Ihrer ersten Glanzzeit, doch tollen Sport geboten.

Darum geht es aber gar nicht – es ist einfach so, dass es gewisse Entwicklungen gibt, die sich einfach nicht zurückdrehen lassen.

Durch das Tabakwerbeverbot droht Formel- 1-Chef Bernie Ecclestone mit dem Abzug aus Europa. Braucht er Europa wirklich nicht?

Die Formel 1 ist ein weltweiter Sport, in dem Europa aber immer ein sehr wichtiger Baustein war und ist. Aber was da mit dem Tabakwerbeverbot passiert, das versteht ja kein Mensch mehr. Da heißt es, ab 2006, daraufhin werden dann Verträge gemacht mit Laufzeiten bis 2006, und dann heißt es plötzlich, nein, doch schon 2005.

Glauben Sie, dass sich da noch etwas ändern lässt?

Ich hoffe es, es wäre wichtig für die Formel 1.

Die Formel 1 braucht also die Werke, braucht auch Europa – wie sehr braucht sie einen Star wie Michael Schumacher?

Schumacher ist heute als erfolgreichster und bester Fahrer der letzten Jahre und als Weltmeister natürlich der wichtigste Fahrer.

Aber er wird nicht mehr lange fahren. Wäre das ein Verlust für die Formel 1?

Nein, sie verliert nichts. Dass Top-Fahrer kommen und gehen, das gab es immer.

Gilt das auch für Deutschland?

Natürlich wird das Interesse nachlassen, wenn kein deutscher Star mehr mitfährt. Aber zum Beispiel Ralf Schumacher oder Nick Heidfeld und auch die deutschen Hersteller können das Interesse in Deutschland durchaus wach halten.

Fehlen der heutigen Formel 1 generell Typen, um sie attraktiver zu machen? Charaktere, wie es sie in ihrer Zeit noch gab, wie James Hunt, Clay Regazzoni oder Gilles Villeneuve?

Es ist eine andere Zeit, dadurch sind es auch andere Typen. Die Fahrer sind heute meist deutlich jünger. Klar, dass da die Persönlichkeiten noch nicht so ausgeprägt sind. Aber das ist in allen Sportarten so.

Schlussfolgernd daraus müsste die Attraktivität der Formel 1 erst recht durch besonders spannende Rennen kommen. Wie groß ist Ihre Hoffnung, dass das wieder passiert?

Man sollte erst einmal die ersten drei Rennen 2003 abwarten. Aber man kann nur hoffen, dass McLaren-Mercedes und BMW-Williams ihre Hausaufgaben ordentlich gemacht haben und dass Ferrari und Schumacher dadurch zumindest etwas Druck bekommen.

Das Gespräch führte Karin Sturm.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben