Sport : Schumachers Comeback interessiert in Malaysia mehr als der Formel-1-Titelkampf

Karin Sturm

Eigentlich müssen sich die Titelkandidaten 1999, Mika Häkkinen, Eddie Irvine, Heinz-Harald Frentzen und David Coulthard ja ein bisschen dumm vorkommen: Da sind sie im Begriff, das offenste und spannendste Formel-1-Weltmeisterschaftsfinale aller Zeiten zu liefern - noch vier Bewerber vor den letzten zwei Rennen gab es seit langem nicht mehr - und dann interessiert sich kaum einer für sie. In Malaysia auf der neuen Strecke von Sepang dreht sich alles nur um Michael Schumacher.

Der muss seit Tagen immer wieder die gleichen Fragen beantworten: Warum er sich nun doch zum Comeback entschieden habe, wie fit er sei und inwieweit er Eddie Irvine helfen könne und werde. . . Wohl scheint sich Schumacher dabei nicht zu fühlen - es ist ihm anzumerken, dass er lieber im Auto sitzen würde als ständig Rede und Antwort zu stehen. Allerdings wohl nicht, weil er wirklich so heiß auf Fahren wäre oder weil er Ferrari und Irvine unbedingt helfen wolle. Dass das die Hauptgründe für sein vorzeitiges Comeback sind, nimmt ihm unter den Formel-1-Experten sowieso keiner wirklich ab, auch wenn er es ständig wiederholt. Aber was soll er sagen: Dass von außen, von Ferrari-Chef Luca di Montezemolo, Druck gemacht wurde und er sich breitschlagen ließ, wie sein Manager Willi Weber es formulierte? So etwas ist schwer zuzugeben.

Zwei Lacher produzierte er dennoch bei seinem Auftritt auf der FIA-Pressekonferenz: Als er sich zwischen die WM-Rivalen Häkkinen und Irvine drängte, die sich eigentlich nebeneinander setzen wollten, und so tat, als müsste er beide mit aller Kraft auseinander halten. Und dann, als er seine Rolle für Ferrari an diesem Wochenende äußerst kurz und bündig zusammenfasste: "Schnell fahren - und nicht crashen". Aber aus dem Wissen, im Moment öfters um die Wahrheit herumreden zu müssen, kommt sicher ein Teil Unbehagen. Wieweit sich Schumacher Sorgen um seine Fitness macht, ist nicht ganz klar. "Nicht hundertprozentig fit; aber fit genug, um hier durchaus gewinnen zu können", lautete seine Auskunft.

Mika Häkkinen, der nach seinem schweren Unfall 1995 in Adelaide selber Erfahrungen mit dem Weg zurück sammelte, wird an diesem Punkt nachdenklich. "Jeder Mensch reagiert anders, aber man fühlt sich am Anfang meistens von außen wesentlich fitter, als man dann wirklich ist." Der Finne sieht seine Chancen durch das Comeback des Kerpeners nicht zusätzlich bedroht. "An meiner Situation ändert das nichts, mein Hauptgegner heißt Irvine." Inwiefern kann der Rückkehrer seinem Teamkollegen Irvine überhaupt helfen? Schumacher sagt: "Indem ich gewinne - dann kann Häkkinen auf keinen Fall schon hier Weltmeister werden."

Häkkinen träumt von einer anderen Version: "Vielleicht hilft Michael ja sogar mir." Gar nicht so abwegig: Sollte etwa Häkkinen vor Schumi führen und sich zwischen ihm und Irvine noch zwei Konkurrenten befinden, dann müsste Ferrari in der Konstrukteurs-WM sechs Punkte opfern, um eine theoretische Weltmeisterschafts-Chance für Irvine zu retten.

Über die Strecke sind sich die Fahrer einig. "Wir müssen ja wohl jederzeit mit Regen rechnen", sagt Heinz-Harald Frentzen. Der deutsche WM-Titelkandidat gibt sich optimistisch. "Technisch sollten wir hier gut dabei sein, wir haben das Auto beim letzten Test in Barcelona noch einmal etwas schneller machen können." Dass fast alle deutschen Journalisten hier um Michael Schumacher herumspringen - obwohl doch Frentzen derjenige ist, der noch im Rennen um die WM liegt, stört den Mönchengladbacher offensichtlich nicht. "Ach, warum?", sagt Frentzen, "so kann ich wenigstens in Ruhe meine Arbeit machen."

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben