Sport : Schumachers Welt

$AUTHOR

AUSGEBREMST

Christian Hönicke über die Formel 1, die nicht mehr sie selbst ist

Am Anfang war das ja alles ganz witzig. Endlich kam mal ein schneller Deutscher in die Formel 1, um die Dauersieger aus Brasilien, England oder Frankreich zu ärgern. Selbst Formel-1-Chef Bernie Ecclestone freute sich über den Neuen aus dem weltmeisterlosen Land. Er bescherte der Rennserie einen großen Aufschwung. Mittlerweile aber ist der Spaß verflogen.

Wer Formel 1 sagt, meint Michael Schumacher, den fünfmaligen Weltmeister. Selten hat ein Sportler seine Sportart so dominiert wie der Deutsche. Doch jetzt, wo fast alle Rekorde gebrochen und alle Erfolge mehrfach errungen sind, hat anscheinend nur noch Schumacher selbst Spaß daran. Vorwerfen kann man ihm das nicht. Soll er etwa absichtlich langsamer fahren, um den anderen eine Chance zu lassen? Trotzdem: Erstmals seit Jahrzehnten verzeichnete das Unternehmen Formel 1 in dieser Saison einen wirtschaftlichen Rückgang. Je mehr Punkte der 33-Jährige holt, desto weniger Zuschauer kommen an die Strecken. Vielleicht liegt das aber auch an den Pisten selbst. Sie sind wie fast alles andere in der Formel 1 auf Schumacher ausgerichtet. Auch dafür kann er nichts. Wenn ein Mann ein Unternehmen so personifiziert, bleibt das nicht aus.

Und so verschwand in den letzten Jahren vieles Einzigartige aus dem Grand Prix. Inzwischen ist er fast wie der Kerpener selbst: modern, zuverlässig, erfolgsorientiert, aber eben auch nicht besonders spannend. Nicht zuletzt, weil in Schumachers Windschatten eine Menge Landsleute aus dem so aufregend internationalen Sport eine fast rein deutsche Angelegenheit gemacht haben.

Nach dem dritten WM-Titel in Folge hat auch Ecclestone eingesehen, dass der einstige Glücksgriff seinem Unternehmen nicht mehr nur nützt. Er hört immer öfter, dass die Rallye-WM viel interessanter sei als das aktionsarme Hintereinanderherfahren in Monaco oder Hockenheim mit dem immergleichen Sieger. Sogar Schumachers Haussender RTL überträgt seit neuestem die Rennerei auf den Staubpisten.

Nun schlägt Ecclestone Maßnahmen vor, über die er vor Jahren gelacht hätte, die dem Wesen dieses Sports widersprechen und deren einzige Bestimmung es ist, Schumacher Einhalt zu gebieten. Das ist traurig. Die Formel 1 verleugnet sich selbst und das, wofür sie seit 52 Jahren steht. Wenn der Ferrari-Pilot irgendwann seine Karriere beendet, wird die Rennserie nicht mehr viel mit der gemeinsam haben, die er 1991 betrat. Und nicht nur Ecclestone wird sich dann verzweifelt umblicken und fragen: Wo ist die Formel 1 geblieben? Dabei weiß er die Antwort jetzt schon: Michael Schumacher hat sie mitgenommen. Und es nicht mal gemerkt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben