Sport : Schuss ins Herz

Mario Götze trifft gegen seinen ehemaligen Klub.

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Dortmund - Das Pfeifkonzert war ohrenbetäubend, zu einer solchen Lautstärke ist die berühmte Südtribüne des Dortmunder Stadions nur in Ausnahmesituationen fähig. Und dies war ohne Zweifel eine solche: Es war die 54. Minute des deutschen Clasico, als Mario Götze an den Spielfeldrand trat. Der ehemalige Liebling der Fans von Borussia Dortmund ist zum Hassobjekt mutiert, seit der 21-Jährige im Sommer zur Konkurrenz aus München gewechselt war.

Götze hatte sich auf seinen Einsatz gegen die alten Kollegen im Bauch jenes Stadions vorbereitet, das mal seins war, das seinen Aufstieg zum Star erlebt hatte. Vor den Augen der Zuschauer, wie es üblich ist, das wollte ihm wohl sein Trainer Pep Guardiola nicht zumuten und ergriff diese ungewöhnliche Maßnahme.

In der 54. Minute betrat der deutsche Nationalspieler dann also den Rasen – und eine Geschichte nahm ihren Lauf, wie sie wohl nur das Drehbuch eines Fußballspiels vorgeben kann: Elf Minuten war der in Ungnade gefallene Dortmunder Sohn auf dem Rasen, als er von Thomas Müller im Strafraum angespielt wurde. Götze legte sich den Ball zurecht, zog hart und trocken mit der rechten Pike ab ins linke untere Eck. Nicht das bevorzugte Stilmittel des Edeltechnikers, doch das war in diesem Moment herzlich egal. Der Torschütze hob noch entschuldigend die Arme, dann war er auch schon verschwunden in der Traube der Gratulanten.

Es war ein Schuss mitten ins Herz der Borussia. Sein früherer Trainer Jürgen Klopp fragte nach Spielschluss süßsauer: „Warum hat er solche Tore nicht öfter gemacht, als er noch bei uns war?“

Auf der Südtribüne herrschte nach dem Führungstreffer einige Zeit lähmendes Entsetzen. Mario Götze hatte die 25 000 Fans zum Schweigen gebracht. Dem Hochveranlagten wird das wenig ausgemacht haben, im Gegenteil. Dieses Tor wird für Götze eine Genugtuung gewesen sein, wenngleich er sich hüten dürfte, dies so zu äußern.

Vor dem Gipfel hieß es, Mario Götze sei noch nicht angekommen in der neuen Heimat. Dieser Auftritt mit einem solch krachenden Ausrufezeichen wird seine Integration erheblich erleichtern. In der Heimat hat der Nationalspieler gegen alle Widerstände einen großen Abend erlebt. Einen Meilenstein auf dem Weg zum Superstar. Hinterher berichtete Bayern-Trainer Pep Guardiola, was er sich von der Einwechselung seines Edelreservisten gedacht hatte: „Er ist ein intelligenter Spieler, stark am Ball, er sollte uns helfen.“ Dieser Plan ist zu Dortmunds Leidwesen perfekt aufgegangen. Felix Meininghaus

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