Sport : Schuss ins Unglück

Hertha BSC verliert durch ein spätes Freistoßtor 1:2 in Leverkusen

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Falko Götz kennt die Begebenheiten in Leverkusen immer noch sehr gut. Vier Jahre lang hat er für den ortsansässigen TSV Bayer 04 gespielt, und offensichtlich hat sich seit Ende der Achtziger nicht allzu viel geändert. Eine halbe Stunde war gestern gespielt zwischen Götz’ aktuellem Klub Hertha BSC und seinem früheren Arbeitgeber, als sich seine Prophezeiung zu bewahrheiten schien. „Das Leverkusener Publikum fängt schnell an zu murren“, hatte Götz vorher gesagt. „Das müssen wir uns zunutze machen.“ Nach einer halben Stunde schickte Trainer Michael Skibbe Andrej Woronin zum Warmmachen – auf besonderen Wunsch des maulenden Anhangs. Bayer war bis dahin so gut wie gar nichts gelungen, doch drei Minuten später erzielte Paul Freier das 1:1 für die Leverkusener. Götz’ schönes Konzept war über den Haufen geworfen. Am Ende verlor der Berliner Fußball-Bundesligist 1:2 und kassierte die vierte Auswärtsniederlage. „Wir haben den Gegner eigentlich im Griff gehabt“, sagte Herthas Kapitän Arne Friedrich.

Falko Götz hatte seine Mannschaft in derselben taktischen Formation aufs Feld geschickt wie in Dortmund, beim bisher einzigen Auswärtssieg der Saison. Vor der Abwehrkette machten fünf Mittelfeldspieler den Raum eng, Bayer brachte keinen durchdachten Spielaufbau zustande. Hertha, ohne die verletzten Stammspieler van Burik und Bastürk, versuchte immer wieder, über die schnellen Außen Ashkan Dejagah und Chinedu Ede sowie den einzigen Stürmer Marko Pantelic mit Kontern zum Erfolg zu kommen. Nach einer Viertelstunde bot sich Pantelic die große Chance zur Führung. Nach einem langen Zuspiel von Torhüter Christian Fiedler lief er allein auf Jörg Butt zu, schoss den Ball allerdings mit dem Außenrist seines rechten Fußes ans Außennetz.

Der Serbe bestätigte in dieser Situation wieder einmal das Vorurteil, dass ihm sein linker Fuß nicht geheuer ist. Dass es gar nicht so schlimm ist, wie Pantelic vielleicht selbst denkt, bewies er nur fünf Minuten später. Nach einem Zuspiel von Ede an den Fünfmeterraum drehte sich Herthas Stürmer um seinen Gegenspieler Juan und schoss den Ball zur Führung der Berliner ins Tor – mit links. Pantelic zeigte wieder einmal, wie wichtig er für die Berliner ist, und das nicht nur als Torschütze. Er selbst hatte den Ball erobert und den Angriff eingeleitet, an dessen Ende Pantelic seinen zehnten Saisontreffer erzielte.

Von den Leverkusenern war bis dahin gar nichts Konstruktives zu sehen. Erst nach dem Rückstand bot sich ihnen die erste Gelegenheit. Nach einem Fehler von Sofian Chahed sah sich Sergej Barbarez Torhüter Fiedler allein gegenüber, er konnte den Berliner allerdings nicht überwinden. Auch der Gegentreffer wurde wieder durch individuelle Fehler begünstigt. Fiedler konnte einen Schuss von Athirson nur abklatschen, beim Versuch, endgültig zu klären, traf Malik Fathi nur den Leverkusener Freier und fälschte dessen Schuss schließlich noch so ab, dass Fiedler keine Abwehrchance mehr hatte.

Der Ausgleich gab den Leverkusenern die Sicherheit, die sie zuvor vermisst hatten. Sie kombinierten nun flüssiger und hatten noch vor der Pause die Chance zum 2:1. Nach einer Flanke von Barbarez scheiterte Athirson aus fünf Metern an Fiedler. Eine Viertelstunde nach der Pause war Herthas Torhüter schon geschlagen, doch Pal Dardai rettete nach einem Kopfball von Jan-Ingwer Callsen- Bracker auf der Linie.

Hertha gelang es zwar auch in der zweiten Halbzeit, die Leverkusener zu Fehlern zu zwingen. Es wurden jedoch so viele, dass überhaupt kein Spielfluss mehr zustande kam. Die Berliner selbst machten auch ohne Zwang Fehler. „Wir sind rumgelaufen wie ein Hühnerhaufen“, sagte Friedrich. Zehn Minuten vor Schluss machte Fiedler bei einem Freistoß von Babic für einen Moment die Torwartecke frei – und musste zusehen, wie der Ball ins Netz flog. Es war die Entscheidung, zumal Hertha in den letzten Minuten zu zehnt gegen den Rückstand anrennen mussten. Chahed hatte nach einem Foul an Freier Gelb-Rot gesehen.

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