Sport : Schussfahrt ins Abseits

Wegen eines Rechtsstreits droht der Ausfall von Ski-Weltcup-Übertragungen in Deutschland

Hamburg - Ein strittiger Fernsehvertrag stürzt den Deutschen Skiverband (DSV) in akute Finanznot und droht den Münchner Olympia-Ambitionen für die Winterspiele 2018 zu schaden. Alpine und nordische Weltcups in Deutschland werden im kommenden Winter wohl nicht im Fernsehen übertragen. Nun wurden wegen der künftig ausbleibenden Fernsehgelder alle DSV-Trainingsmaßnahmen unterhalb der Weltcup-Ebene in sämtlichen Disziplinen ausgesetzt. Hintergrund der Misere ist die ungeklärte Vertragssituation um die TV-Rechte.

Im Frühjahr schloss der Verband mit der Agentur Infront eine Vereinbarung bis 2011 ab. Der bisherige Rechteinhaber RTL pocht auf Einhaltung eines Vertragspassus, der den neuen Kontrakt hinfällig lassen werden könnte. Nach Ansicht des Kölner Privatsenders kann RTL durch ein sogenanntes „Matching Offer Right“ den Infront-Vertrag überbieten und sich damit doch noch die TV-Rechte sichern. „Dieser rechtlichen Verpflichtung ist der DSV allerdings immer noch nicht nachgekommen“, sagte ein RTL-Sprecher.

Damit fehlen dem Verband derzeit die jährlichen Einnahmen in zweistelliger Millionen-Höhe. „Wir haben einen Vertragszustand mit Infront“, betonte ein DSV-Sprecher, räumte aber auch „schwierige Gespräche“ ein. Das DSV-Präsidium will am Freitag eine Stellungnahme abgeben. Von 2002 bis 2007 hatte RTL pro Saison rund 15 Millionen Euro gezahlt. Eine juristische Ebene haben die konträren Standpunkte nach RTL-Angaben noch nicht erreicht. Grundsätzlich bestünde aber weiter Interesse an Wintersport-Übertragungen. RTL hat die Rechte für die beiden in Österreich stattfindenden Springen der Vierschanzen-Tournee 2007/2008 und an der Skiflug-WM 2008.

Langlauf-Bundestrainer Jochen Behle warnte vor weitreichenden Konsequenzen. „Das ist eine Katastrophe für die Athleten. Wenn sich die Probleme ausweiten, wird dies auch die Top-Athleten treffen. Dann können wir die Erfolge der vergangenen Jahre ad acta legen“, sagte Behle. Die Anschlusskader müssen künftige Maßnahmen wie Trainingslager und Wettkämpfe vorerst selbst finanzieren.

Völlig unklar bleibt, wer die deutschen Wintersport-Weltcups überträgt. Die öffentlich- rechtlichen Sender warten erst einmal ab: „Es gibt eine Entscheidung von ARD und ZDF, sich dem Thema im Moment nicht zu nähern“, sagte Jörg Augustin, der Geschäftsführer der Sportrechte-Agentur SportA. dpa

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