Sport : Schussübungen bei Nacht

Der 1. FC Union kündigt Heiner Backhaus fristlos

Karsten Doneck

Berlin. Heiner Backhaus hat mal, so ist überliefert, bei völliger Dunkelheit auf dem Platz an der Alten Försterei ein paar Schussübungen mit dem Ball veranstaltet, mutterseelenallein, nur die Freundin schaute zu. Als er entdeckt wurde und nach dem Sinn seines nächtlichen Tuns gefragt wurde, erklärte Backhaus, er müsse seine neuen Fußballschuhe ausprobieren. Solch extravagante Touren leistete sich der 20-Jährige Profi des 1. FC Union dem Vernehmen nach häufiger. So war es gar nicht mehr verwunderlich, dass sein höchster Vorgesetzter, Heiner Bertram, kürzlich aus der Zeitung erfuhr, Backhaus habe ihn, den Präsidenten, als „Osterhasen“ beschimpft. Die Quittung für diese verbale Entgleisung bekam Backhaus gestern schriftlich. „Wir haben ihm fristlos gekündigt“, sagte Bertram. Der erst im Sommer von Hannover 96 gekommene Mittelfeldspieler soll die Kündigung widerspruchslos hingenommen haben, ohne dass ihm Angebote anderer Vereine vorliegen.

Ein Problem hat Union damit vom Tisch. Nun gilt es, die beabsichtigten Gehaltskürzungen durchzusetzen. Mit der von den Union-Spielern eingeschalteten Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV) hat sich das Präsidium, wie berichtet, auf einen Kompromiss verständigt: Zur Konsolidierung des Saisonetats werden 20 Prozent der Gehälter bis Juni 2003 einbehalten, 15 Prozent fließen später als Nachzahlung an die Spieler zurück, fünf Prozent im August 2003, weitere zehn Prozent nach Auszahlung der Insolvenz-Quote der Kirch-Media. Auf effektiv fünf Prozent sollen die Spieler also für sieben Monate verzichten, „das entspricht, aufs Jahr umgerechnet, etwa zweieinhalb Prozent Gehaltseinbuße“, sagt Bertram.

Die Zusatzvereinbarungen zu den Verträgen liegen den Spielern unterschriftsreif vor. Bis Montag wurde den Profis noch einmal Bedenkzeit eingeräumt. „Ich gehe davon aus, dass die meisten unterschreiben werden“, sagt Bertram. Ob das auch für Kostadin Widolow gilt? Der Spielmacher will in der Winterpause zurück nach Bulgarien. Union hat ihm jetzt im Gegenzug eine Vertragsverlängerung angeboten, aber nur für ein Jahr.

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