Schwache Berliner : Aufbau West: Hertha verliert 0:1 auf Schalke

Mit einer verdienten 0:1-Niederlage verspielt Hertha BSC den dritten Tabellenplatz. Hochkarätige Torchancen erarbeiten sich die Berliner auf Schalke nicht.

Stefan Hermanns[Gelsenkirchen]
FC Schalke 04 - Hertha BSC Berlin
Kein Punkt, kein Tor. Kaka, Friedrich, Drobny.Foto: dpa

Der Fitnesszustand von Marko Pantelic verbesserte sich gestern Nachmittag innerhalb von nur zwei Minuten ganz erheblich – ohne dass der Serbe allzu viel dazu tun musste. In der 63. Minute war Pantelic nach seinen Oberschenkelproblemen offensichtlich noch nicht fit genug für einen Einsatz gegen Schalke 04. Lucien Favre, der Trainer von Hertha BSC, wechselte an seiner Stelle Waleri Domowtschiski ein. Nur zwei Minuten später ließ Favre Pantelic dann doch noch an die Seitenlinie rufen. Sein Sinneswandel hatte einen einfachen Grund: das 1:0 für die Schalker durch Gerald Asamoah. Favre musste etwas riskieren. Doch auch mit ihrem besten Stürmer konnten die Berliner das Spiel nicht mehr drehen. „Wir haben nicht unser Niveau erreicht“, sagte Pantelic. Die verdiente 0:1-Niederlage beendete Herthas Serie von vier Siegen in der Fußball-Bundesliga; die Berliner rutschten vom dritten auf den vierten Tabellenplatz.

Beide Mannschaften hatten unter der Woche im Uefa-Cup verloren, doch während Schalkes Trainer Fred Rutten denselben elf Spielern wie bei der Niederlage in Enschede die Chance zur Rehabilitation gestattete, veränderte Favre sein Team auf drei Positionen: Maximilian Nicu und Andrej Woronin spielten wieder von Anfang an, Kaka ersetzte den verletzten Sofian Chahed und rückte in die Innenverteidigung. Der Brasilianer, der zum ersten Mal nach knapp anderthalb Monaten wieder in der Startelf stand, hatte große Mühe, sich einzufinden: Nach zwei Minuten verlor Kaka als letzter Mann gegen Kevin Kuranyi den Ball, Jaroslav Drobny im Tor der Berliner lenkte Kuranyis Schlenzer zur Ecke.

Kaka wirkte auch bei der zweiten Gelegenheit der Schalker entscheidend mit. Nach einer scharfen Hereingabe von Heiko Westermann zog er am Fünfmeterraum einfach den Fuß weg und brachte damit Josip Simunic in arge Bedrängnis. Der Kroate schaffte es gerade noch, den Ball über das Tor zu schlagen.

Die Schalker hatten ein deutliches Plus an Ballbesitz, eine entscheidende Idee im Spiel nach vorn hatten sie zunächst nicht. Herthas Defensive stand gut organisiert, die eigene Offensive aber hatte erheblich unter dem vorsichtigen Auftreten zu leiden. Es fand de facto nie statt. „Wir haben zu wenig nach vorne gemacht“, klagte Pal Dardai. „Ein 0:0 wäre heute das Maximum gewesen.“ Vor der Pause hatten die Berliner keine einzige Chance, Schalkes Torhüter Manuel Neuer bekam in der 73. Minute den ersten und einzigen Ball aufs Tor, einen harmlosen Kopfball von Andrej Woronin.

Die Berliner schafften es nicht, den latenten Unmut bei den Schalker Fans zum Ausbruch zu bringen. Trainer Rutten wirkte beruhigend auf das Publikum ein, indem er schon zur Pause Kevin Kuranyi vom Feld nahm. Dessen Ersatzmann Halil Altintop vergab gleich zwei Chancen zur Führung. Nach einer Flanke von Westermann kam er am langen Pfosten zum Abschluss, der Ball landete am Außennetz, nur drei Minuten später löffelte Altintop den Ball freistehend über das Tor.

Die Gelegenheiten für Schalke häuften sich, doch Hertha wollte die drohende Gefahr nicht wahrhaben: Die Berliner beschränkten ihre Initiative auf ein Minimum – und wurden für ihre Passivität bestraft. Drobny ließ eine Flanke von Farfan passieren, Marc Stein seinen Gegenspieler Asamoah aus dem Auge. Schalkes Stürmer drückte den Ball zum 1:0 über die Torlinie. Erst danach erwachte Hertha. Die Berliner spielten nun aggressiver, nicht immer allerdings im Rahmen des Erlaubten. Josip Simunic hatte Glück, dass er für einen Ellbogencheck gegen Altintop nur die Gelbe Karte sah. „Ein ganz normaler Zweikampf“, behauptete er später.

Während Hertha zum zweiten Mal innerhalb von vier Tagen 0:1 verlor, stoppten die Schalker ihren dramatischen Abwärtstrend. Genau rechtzeitig zur Weihnachtsfeier der Mannschaft am Abend. Gerald Asamoah jedenfalls hatte für das Fest große Pläne: „Heute kann man auch mal zwei Wasser trinken.“

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