Sport : Schwache Nationalelf kommt über ein 1:1 gegen Kroatien nicht hinaus

Sebastian Arlt

Trotz des ersten Länderspieltreffers des Berliners Marko Rehmer kann Deutschland bei der Wasserschlacht in Zagreb nicht überzeugenSebastian Arlt

Das Zitat ist berühmt, das Ergebnis erst recht. "Friedrich, es regnet", sagte Max Morlock vor dem WM-Finale des Jahres 1954 zu Fritz Walter. Auf nassem Rasen besiegten Deutschlands Fußballer Ungarns Wunderelf 3:2, und seitdem spricht man von Fritz-Walter-Wetter, alternativ auch "dem Fritz sein Wetter", wenn irgendwo leichter Regen grünen Rasen benetzt.

Die Voraussetzungen standen also gut für die deutsche Nationalmannschaft gestern Abend vor nur 5000 Zuschauern in Zagreb. Es goss wie in Strömen im Zagreber Maksimir-Stadion, und damit kamen die Deutschen sehr viel besser zurecht als die favorisierten Kroaten. Dreierlei war Schuld daran, dass es trotz des ersten Länderspieltores des Berliners Marko Rehmer nur zu einem 1:1 (0:1) und damit nicht zu einer gelungenen Revanche für die 0:3-Niederlage im WM-Viertelfinale von 1998 reichte: der starke Leistungsabfall in der zweiten Halbzeit, ein Fehlpass des schwachen Mannschaftskapitäns Oliver Bierhoff und ein Tor eines Mannes, der sein Geld in der Bundesliga vedient: Niko Kovac vom Hamburger SV erzielte 20 Minuten vor Schluss den Ausgleich für Kroatien. Nico Kovac spielte gestern erstmals gemeinsam mit seinem für Bayer Leverkusen kickenden Bruder Robert in der Nationalmannschaft. Bei der WM 1998 zählten beide noch nicht zum kroatischen Aufgebot.

Die deutsche Führung hatte Marko Rehmer schon nach zwölf Minuten besorgt. Es war sein erstes Tor im achten Länderspiel, im ersten, das er nach langer Verletzungspause für seinen neuen Arbeitgeber Hertha BSC bestritt. "Ich freue mich für Marko", sagte Ribbeck. "Er ist das typische Beispiel für einen Mann, der schon abgeschrieben schien, sich aber mit guten Leistungen im Verein wieder herangearbeitet hat." Nach der ersten Halbzeit aber war das Comeback des Berliners schon wieder beendet. "Marko hatte leichte Schmerzen im Adduktorenbereich, da haben wir ihn lieber herausgenommen", sagte Ribbecks Assistent Uli Stielike, "schließlich soll er am Sonnabend für Hertha gegen Schalke spielen."

Ein Urteil darüber, ob Rehmer seine Chance denn nun genutzt und sich für eine Teilnahme an der Europameisterschaft empfohhlen hat, verbot sich angesichts der äußeren Bedingungen. Das Spiel war eine einzige Farce. Drei Stunden vor Spielbeginn hatte der Regen eingesetzt, pünktlich zum Abspielen der Nationalhymnen setzte das eigentliche Unwetter ein. Es goss wie aus Kübeln, quer über den gesamten Platz bildeten sich riesige Pfützen. Mal blieb der Ball liegen, mal gewann er unglaublich an Geschwindigkeit Erinenrungen wurden wach an das Spiel bei der Weltmeisterschaft 1974 zwischen Deutschland und Polen im Frankfurter Waldstadion. Damals schafften die Deutschen durch einen 1:0-Sieg den Einzug ins Finale, und Franz Beckenbauer zeigte mit eleganten Lupfern, wie man bei diesem Bodenverhältnissen zu spielen hat.

Über Spieler seiner Klasse verfügt Teamchef Erich Ribbeck 26 Jahre später bekanntlich nicht. Dennoch hatte seine robust und einfach kickende Mannschaft lange Zeit mehr vom Spiel als die auf Kurzpässe getrimmten Kroaten. Die Berliner Dariusz Wosz und Marko Rehmer machten ihre Sache gut, auch Christian Ziege, Jens Nowotny oder Dietmar Hamann hinterließen einen besseren Eindruck als zuvor erwartet. Die schwächsten deutschen Spieler waren ganz vorn zu finden. Die Stürmer Oliver Bierhoff und Ulf Kirsten fanden überhaupt nicht ins Spiel, der zuletzt so hart kritisierte Bierhoff leitete mit einem Fehlpass sogar den kroatischen Ausgleich ein.

Mit diesem Gegentor schwand das deutsche Selbstbewusstsein von Minute zu Minute, und es spielten nur noch die Koraten. Alen Boksic und Davor Suker boten sich beste Chancen zum Siegtor. Im deutschen Angriff hingegen tat sich gar nichts. Bierhoff aber durfte trotz seiner schwachen Leistung er bis zum Schluss auf dem Platz bleiben. Warum, das blieb das Geheimnis des Teamchefs.

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