Sport : Schwäbische Liebe in Berlin Wie der Stuttgart-Fan

Roland Jörg im Exil überlebt

NAME

Wenn im Olympiastadion die Bundesliga spielt, sind nicht nur Herthaner begeistert. In Berlin leben viele Fans anderer Klubs. Zu jedem Hertha-Heimspiel stellt sich an dieser Stelle ein Fan des Gegners vor. Heute: Roland Jörg, 40. Er unterstützt den VfB Stuttgart.

Fünf Kumpels ins Auto, VfB-Schal aus dem Fenster und dann rauf auf die Autobahn, jedes Wochenende, immer in meinem gelben Passat. Mensch, damals war es so einfach, Fan zu sein.

Heute, seit vier Jahren, leidet die Beziehung zwischen mir und dem VfB – wegen des Jobs. Hier in Berlin arbeite ich für die Landesvertretung Baden-Württemberg. Für einen VfBler ist das eine harte Region hier: Tausende Baden-Württemberger leben in Berlin, aber wo sind die VfB-Fans? Ich kenne keinen, leider. Wir haben zwar viele Badener in der Landesvertretung, aber die drücken dem Karlsruher SC die Daumen. Mit dem VfB Stuttgart fühle ich mich hier ziemlich allein. Nur mein Chef, der Herr Köberle, der hält natürlich zu mir. Der ist auch VfB-Fan.

Bevor ich mir damals den gelben Passat gekauft hatte, sind wir immer mit der Bahn nach Stuttgart gefahren, zu jedem Heimspiel. Wir wohnten am Bodensee, in Ravensburg, da saß ich mit den Freunden zweieinhalb Stunden im Zug, und wir haben gejodelt und Flaschenbier getrunken, natürlich Laibinger Pils. Nach dem Spiel haben wir am Stadion schon mal Guido Buchwald getroffen. Oder Fritz Walter. Ich habe damals viele VfB-Fans kennengelernt. Doch dann habe ich geheiratet, wir bekamen zwei Kinder. Fußball rückte da in den Hintergrund.

Videotext. Sportschau. Internet. Ich versuche immer, das Neueste vom VfB mitzubekommen. Und trotzdem: So wie früher ist es nicht mehr. Für mich sind es jetzt 33 Auswärtsspiele, bis auf das Spiel in Berlin, natürlich. Das ist eine Art Heimspiel. Blöderweise habe ich nicht aufgepasst und mir schon vor Wochen einen Termin sehr dumm gelegt: Am Samstag bin ich auf Usedom und schaue mir ein Ferienhäuschen an.

Bis zum Anpfiff wird es also knapp. Obwohl – mein Auto heute fährt ja schneller als der alte Passat von damals.

Aufgezeichnet von André Görke.

0 Kommentare

Neuester Kommentar