Sport : Schwäbisches Modell Der VfB Stuttgart muss sparen

und mietet einen Profi

Oliver Trust

Stuttgart. Die Tüftler und Bastler kommen aus dieser Ecke Deutschlands. Und die Häuslebauer. Den Schwaben, heißt es, fällt immer etwas ein, wie sie im Leben über die Runden kommen. Diesmal aber geht es nicht um Autos oder die Kehrwoche, sondern um ein einzigartiges Modell im Profifußball. Emanuel Centurion hat zwar noch kein einziges Spiel für den VfB Stuttgart bestritten, trotzdem sprechen alle über ihn. Das hat Gründe: Der 20-jährige Argentinier ist der erste Spieler der Bundesliga-Geschichte, der von einem Klub über ein Leasing-System quasi gemietet wurde. Die Transferrechte liegen bei der Firma KBM. Der VfB zahlt für die Laufzeit von fünf Jahren jede Saison eine Leasingrate für den Mittelfeldspieler. Was in der Schweiz, Spanien, Italien und Österreich seit langem zum Geschäft gehört, ist in Deutschland etwas völlig Neues.

Der VfB hatte nicht genug Geld für den Transfer. Anders als der FC Bayern München, der die Portokasse für den Makaay-Transfer öffnet, drücken den Klub 15 Millionen Euro Schulden. Zu viel für die rund zwei Millionen Ablöse. Daran wäre der Wechsel auch fast gescheitert. VfB-Teammanager Felix Magath aber wollte den Argentinier noch in der Champions League einsetzen. Nun sieht Magath im neuen Weg nichts Ungewöhnliches: „Wenn uns Mercedes, Porsche und die Stadt nicht unterstützen, müssen wir uns eben anderweitig umschauen.“

Für Aufsehen sorgt die Sache trotzdem. Hinter dem Kürzel KBM versteckt sich zwar nicht die kolportierte Auflösung „Krassimir Balakow Marketing“ (die es gar nicht gibt), aber immerhin der Berater von Magaths neuem Assistenten, Dusan Bukovac. Zusammen mit den Spielerberatern Karel Svab und Gustavo Mascardi ist Bukovac Inhaber von KBM. Er selbst fungiert als Geschäftsführer, Svab ist Talentspäher und Mascardi Kontaktmann zu Profis, die in erster Linie aus Südamerika kommen.

Zunächst, so berichtet die „Stuttgarter Zeitung“, wollte der VfB vor allem die Beteiligung von Bukovac geheim halten. Präsident Erwin Staudt hatte von den am Deal beteiligten Mitarbeitern Diskretion verlangt. Die Sache kam trotzdem an die Öffentlichkeit. Dass wochenlang verhandelt werden musste, lag auch an der ausgiebigen Prüfung der Unterlagen durch die Deutsche Fußball-Liga (DFL). Denn auch für die DFL-Funktionäre ist der Centurion-Transfer der erste Fall dieser Art.

Ähnliche Modelle hatte es in der Bundesliga zuvor schon gegeben. Der Fall Centurion aber ist beispielsweise nicht mit dem Modell, das der 1. FC Kaiserslautern zur Linderung seiner Finanznot mit Nationalspieler Miroslav Klose wählte, vergleichbar. Bei Klose wurden nur die Transferrechte für rund fünf Millionen Euro an Lotto-Toto Rheinland-Pfalz verkauft. Auch beim Polen Kamil Kosowski liegt die Sache anders. Die Pfälzer liehen den Mittelfeldmann zunächst für ein Jahr aus und können später über eine Option die Transferrechte erwerben oder Kosowski weitere drei Jahre ausleihen.

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