Sport : Schwächeln vor dem Schluss

HSV muss ins Finale um Platz zwei gegen Bremen

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Berlin - Thomas Doll hatte größte Mühe, nicht restlos die Fassung zu verlieren. Fast schon trotzig bemerkte der Trainer des Hamburger SV nach der Niederlage in Berlin: „Uns jodelt jetzt jedenfalls keiner mehr rein, dass wir um die Meisterschaft mitspielen.“

Man kann den Ärger des 40-jährigen Trainers durchaus teilen. Seine Mannschaft, die erfolgreichste der Saison in fremden Stadien, hatte zweimal gegen Hertha geführt und dann doch noch gegen zehn Berliner verloren. Damit verspielte der Tabellenzweite vorzeitig die direkte Champions-League-Qualifikation. So kommt es am kommenden Wochenende zu einem Endspiel um Platz zwei gegen Werder Bremen, in das der Gastgeber HSV mit dem Vorsprung von einem Punkt geht. „Es geht nicht um das Spiel des Lebens“, fauchte Doll den Journalisten entgegen. „Wir haben alles in der Hand. Wenn mir vor der Saison jemand angeboten hätte, dass wir ein Endspiel gegen Bremen um Platz zwei haben, hätte ich sofort unterschrieben.“

Tatsächlich hat der HSV eine gute Ausgangsposition, ein Punkt reicht, aber Bremen dürfte nach dem 6:0 über Köln psychologisch im Vorteil sein. „Gerade in solchen Spielen sind wir absolut präsent“, entgegnete Doll und erinnerte daran, dass der HSV in Spitzenspielen wie gegen die Bayern (2:0, 2:1) und Schalke (1:0, 2:0) jeweils zweimal gewonnen sowie im Hinspiel bei Werder ein 1:1 erreicht habe.

Das Spiel in Berlin aber machte deutlich, dass dem HSV die Kräfte ausgehen. Es war das 54. Pflichtspiel der Saison (inklusive UI-Cup, Uefa-Pokal, DFB-Pokal). In der zweiten Halbzeit hatten die Hamburger nichts mehr zuzusetzen. „Wir hätten dem Spiel gegen zehn Herthaner unseren Stempel aufdrücken müssen“, moserte der Trainer.

Thomas Doll ist nicht entgangen, dass zunehmend die Abwehr Probleme bereitet. In der Hinrunde hatte der HSV in 17 Spielen nur neun Gegentreffer kassiert, in der Rückrunde sind es bisher schon mehr als doppelt so viele (19). Die Innenverteidigung, einst das Prunkstück der Hamburger, schwächelt. Kapitän Daniel van Buyten, der nach einem Bänderanriss im Sprunggelenk gegen Hertha eingewechselt wurde, fehlt die Form. Seinem Partner Khalid Boulahrouz machte zuletzt eine Magenverstimmung zu schaffen. Er musste vorzeitig ausgewechselt werden. Vor allem aber wird Rafael van der Vaart als Spielgestalter, Torvorbereiter, Torschütze und Freistoßspezialist vermisst. Er befindet sich in der Rehabilitation. Thomas Doll mochte das nicht als Alibi verstanden wissen, sondern gab sich kämpferisch. „Wir werden unseren zweiten Platz sichern“, sagte er, „meine Mannschaft wird bis an die Schmerzgrenze und darüber hinausgehen, da bin ich ganz sicher.“ miro

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