Sport : Schwächling und Kämpfer

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Stefan Hermanns über die widersprüchliche Figur Jens Lehmann

Man kann über Jens Lehmann, den neuen Torhüter des FC Arsenal aus London, vieles sagen: zum Beispiel, dass er im Laufe seiner Karriere manches Mal viel zu früh aufgegeben und resigniert hat. Man kann über Jens Lehmann auch das genaue Gegenteil sagen: dass er ein besessener Kämpfer ist. Jens Lehmann lässt sich wohl nur dann einigermaßen verstehen, wenn man ihn als zutiefst widersprüchlichen Menschen begreift.

Vor zehn Jahren, als Lehmann noch jung war, spielte er mit Schalke 04 in Leverkusen. Zur Pause stand es 0:3, Lehmann wurde von den eigenen Fans ausgelacht, und um die Sache nicht noch schlimmer zu machen, ließ der damalige Trainer Jörg Berger seinen Torhüter in der zweiten Hälfte in der Kabine. Das Spiel lief noch, da hatte Lehmann bereits das HaberlandStadion verlassen. Er setzte sich in Leverkusen in die S-Bahn und fuhr nach Hause. Seine Heimfahrt wirkte wie eine Flucht. Später, beim AC Mailand, war es ähnlich. Nicht mal ein halbes Jahr hielt er es in der Fremde aus. Als er seine Fähigkeiten nicht ausreichend gewürdigt und sich zum Ersatzmann degradiert sah, resignierte er und wechselte zu Borussia Dortmund.

Typisch Schwächling? Nein. Als Schalker in Dortmund zu spielen war für Lehmann oft weit weniger vergnüglich, als in Mailand auf der Bank zu sitzen. Von den Fans des BVB ist er anfangs angefeindet worden, sie haben ihn sogar tätlich angegriffen. Aber mit seinen guten Leistungen im Tor hat er sich den Respekt des Dortmunder Publikums erarbeitet. Für viele war Lehmann in der vorigen Saison sogar der beste Torhüter der Bundesliga.

Sein Ersatzmann Roman Weidenfeller – Typ: Bodybuilder – hat Lehmann trotzdem den Kampf angesagt. Der Nationaltorhüter hätte vor dem jungen Konkurrenten keine Angst haben müssen. Wahrscheinlich hatte er die auch nicht. Trotzdem wirkt sein hektisch betriebener Wechsel nach London wie eine Flucht. Wieder einmal. Jens Lehmann wird das im Zweifel ziemlich egal sein.

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