Sport : Schwarz-gelber Lochfraß

Der späte Punktverlust in Hannover offenbart erneut die großen Abwehrprobleme bei Meister Dortmund.

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Am Stock gehen. Neben Mats Hummels und Sven Bender musste auch Dortmunds Jakub Blaszczykowski verletzungsbedingt ausgewechselt werden. Der Pole hatte Probleme mit dem Sprunggelenk und wird den Borussen voraussichtlich sechs Wochen fehlen. Foto: AFP
Am Stock gehen. Neben Mats Hummels und Sven Bender musste auch Dortmunds Jakub Blaszczykowski verletzungsbedingt ausgewechselt...Foto: AFP

Schon dieser kräftige Schuss in den Abendhimmel, den Verteidiger Neven Subotic kurz nach dem Schlusspfiff entnervt abgefeuert hatte, ließ wenig Gutes erahnen. Ein weiterer später Gegentreffer und die Begleitumstände eines packenden Fußballspiels hatten den Profis von Borussia Dortmund die Laune gründlich verdorben. Wie schon in der Champions League bei Manchester City (1:1), verspielte der Meister beim 1:1 (0:1) im Stadion von Hannover 96 eine Führung. „Das tut doppelt weh“, sagte Subotic, während andere voller Ärger nach Ausreden suchten. Schiedsrichter Peter Gagelmann und dessen Entscheidungen wurden bemüht. Der beherzte Einsatz der Spieler von Hannover 96 ebenfalls. Die Einsicht, dass man bei einem starken Team dem Druck bis zum Ende nicht standhalten konnte, wurde nur nebenbei betrachtet.

Obwohl Jürgen Klopp wieder einmal in Rage geraten war, hatte er offenbar ganz genau mitgezählt. „Hier wurden heute 80 Freistöße gepfiffen“, meinte der angesäuerte Trainer einer Dortmunder Borussia, die vor allem diese eine abgefälschte Hereingabe aus der 86. Minute bejammerte. Ein Freistoß von Hannovers Spielmacher Szabolcs Huszti und ein verunglückter Schussversuch von dessen Kollegen Didier Ya Konan hatten die gesamte Dortmunder Defensive irritiert. Mame Diouf überwand danach den überragenden Borussen-Torhüter Roman Weidenfeller aus kurzer Distanz. Der Treffer des Senegalesen, der den Führungstreffer von Robert Lewandowski aus der ersten Halbzeit egalisierte, war das i-Tüpfelchen auf einer Sturm- und Drangphase, die sich Hannover erarbeitet und die der Gast zugelassen hatte. „Das ganze Stadion wurde unruhig, und wir haben uns anstecken lassen“, sagte der Dortmunder Linksverteidiger Marcel Schmelzer und übte damit immerhin etwas Selbstkritik.

Das Löchrige im Team des BVB hängt ihm weiter nach. Das Schöne und Elegante, das es im Spiel des amtierenden Meisters vor 49 000 Zuschauern durchaus gegeben hatte, war schnell in Vergessenheit geraten. Wenn es der Dortmunder Offensive so wie am Sonntagabend nicht gelingt, sich nach schönen Kontern und guten Kombinationen mit einem erlösenden Tor zu belohnen, gerät das gesamte Kollektiv ins Wanken. 96-Trainer Mirko Slomka hatte in der Schlussphase mit Diouf einen vierten Stürmer aufs Feld geschickt. Die Niedersachsen waren zu einer Großchance nach der anderen gekommen und gingen keinem Zweikampf aus dem Weg. Dass auf Dortmunder Seite mit Sven Bender, Mats Hummels und Jakub Blaszczykowski drei Profis verletzt ausgewechselt werden mussten, diente ihrem Anführer als Steilvorlage zum Motzen. „Alle haben Verbände, alle haben Eis drauf“, sagte BVB-Trainer Klopp, der seinen Kollegen Slomka schon während des Spiels giftig darauf aufmerksam gemacht hatte, dass er die Zweikämpfe der 96-Profis zu beherzt fand. Hummels fällt nun zwei Wochen aus, Blaszczykowski sechs.

Die große Sehnsucht nach dem ersten Auswärtssieg der Saison und der Blick in die Ferne auf den enteilten Spitzenreiter Bayern München, der mittlerweile schon neun Punkte Vorsprung auf Dortmund hat, macht vor allem Klopp mürbe. Auf kritische Nachfragen zu den akuten Problemen des amtierenden Meisters reagierte der 45-Jährige bockig bis gereizt. Klopp findet offenbar keine Antwort darauf, warum seine Mannschaft in der Vorwärtsbewegung weiterhin Erstklassiges zeigt, aber in der Defensive regelmäßig strauchelt. Der bereits angeschlagen in die Partie gegangene Nationalverteidiger Mats Hummels spielte ungewohnt fehlerhaft. Sein Mitstreiter Lukasz Piszczek hatte es Schlussmann Weidenfeller und dessen schnellem Reaktionsvermögen zu verdanken, dass er nicht zum Eigentorschützen geworden war. So reichte die große Wucht der äußerst heimstarken Mannschaft von Hannover 96, um dem Meister den nächsten Rückschlag zu verpassen.

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