Sport : Schwarz, Rot, Bunt

Confed-Cup: Sponsoren drängen sich nach vorn

André Görke

Berlin - Der junge Franz Beckenbauer hat sich eher wenig Sorgen gemacht. Als er noch Spieler war und im Trainingslager während der Fußball-WM 1974 über Langeweile klagte, soll er sich einmal den Zündschlüssel des Mannschaftsbusses geschnappt haben und mit Günter Netzer eine Runde gefahren sein. Der alte Mercedes-Bus, Modell „0 302“, war zitronengelb, jeder Ledersitz cognacfarben, auf der Außenseite klebte in großen Buchstaben der Schriftzug „BR Deutschland“.

Der alte Franz Beckenbauer macht sich dagegen eher viele Sorgen. Heute, da er Präsident des Organisationskomitees der WM 2006 (OK) ist, muss er sehr genau auf all die Marketingregeln achten, die sich die Experten des Weltverbandes Fifa haben einfallen lassen. Und eine diese Regeln besagt, dass die Fußballer nur in den Wagen des WM-Autosponsors Hyundai herumfahren dürfen. Der kleine Haken an der Geschichte ist nur leider der, dass die Südkoreaner gar keine Busse in Europa herstellen und deshalb kleinlaut die Kollegen von Mercedes ansprechen mussten. Jetzt rollen deren Busse in die Stadien, hübsch verziert mit so großen Hyundai-Aufklebern, dass sogar in OK-Kreisen leicht verächtlich von „rollenden Litfaßsäulen“ die Rede ist.

Wie schön einfach war doch die alte Fußballwelt. Heute sind in den Stadien so vielen bunte Logos zu sehen, dass Kunstlehrern nichts anderes übrig bleibt, als verzweifelt die Hände vor die Augen zu halten. Es fängt schon vor dem Anpfiff an: An den Händen der Fußballer halten sich kleinen Kinder fest, die Trikots genau in den Farben des Fastfood-Sponsors tragen. Während des Spiels geht es weiter: Fliegt ein Ball ins Seitenaus, rennen Kinder in den roten Trikots des Getränkesponsors hinterher. Und weil Fanklub- Banner oder Fahnen der Nationalmannschaften den freien Blick auf die Werbebanden stören könnten, müssen die Fans ihre Plakate eingerollt lassen. Wenn im kommenden Jahr auch in Berlin Fußball gespielt wird, muss sogar die blaue Tartanbahn mit einer mattgrünen Plane abgedeckt werden, damit auch ja die Logos gut zur Geltung kommen.

Die Fans klagen eh schon, dass zu viele Karten an Sponsoren und Vips verkauft werden und kaum Fußballatmosphäre in den Stadien aufkommt. Auch Marketingkenner bezweifeln den Sinn all der bunten Logos. Die Botschaften kann kaum ein Fan noch aufnehmen, zumal ja auch an der Anzeigetafel Werbespots gezeigt werden.

Selbst wenn sich erste Sponsoren während des Confed-Cups um Zurückhaltung bemühen, wirkt das unglücklich. So hat sich die Marketingabteilung des Biersponsors die hübsche Idee einfallen lassen, nach Abpfiff „The man of the match“ zu küren. Als die Deutschen im ersten Spiel gegen Tunesien gewannen und Arne Friedrich eine sehr gute Leistung bot, überreichte der Firmenvertreter vor Augen der überraschten Zuschauer dem weltweit bekannteren Michael Ballack die Trophäe. „Die werden schon Ahnung haben“, sagte Ballack hinterher. Er soll dabei nicht sehr überzeugt ausgesehen haben.

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