Sport : Schwarze Tage

Die Vierschanzentournee war ein Rückschritt für Deutschlands Skispringer.

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Abwärts. Richard Freitag und die deutschen Springer schauen nach unten. Foto: dpa
Abwärts. Richard Freitag und die deutschen Springer schauen nach unten. Foto: dpaFoto: dpa

Bischofshofen – Der 6. Januar 2014 sollte ein besonderer Tag werden im Leben von Richard Freitag, doch das wusste der deutsche Skispringer am Morgen noch nicht. Und nach seinem letzten Sprung bei der Vierschanzentournee in Bischofshofen deutete sogar noch weniger darauf hin, dass er kurze Zeit später ein sportliches Lebensziel erreichen sollte. Mit Rang 29 hatte der 22 Jahre alte Springer viele Erwartungen enttäuscht. Und trotzdem gab es einen Grund zur Freude für ihn.

„Richard Freitag springt noch sehr wackelig“, sagte Werner Schuster, „aber wenn man die letzten Jahre sieht, dann kann auch er eine Medaille machen.“ Mit diesen Worten nominierte der Bundestrainer Richard Freitag für die Olympischen Winterspiele in Sotschi. Es werden seine ersten werden. Auch Severin Freund, Andreas Wellinger und Marinus Kraus sind für die Olympischen Spiele nominiert. Routinier Michael Neumayer, der bei der Vierschanzentournee mit Rang elf immerhin zweitbeständigster Deutscher hinter Andreas Wellinger war, und Andreas Wank müssen bis zum Nominierungsschluss am 19. Januar den fünften Olympiaplatz unter sich ausmachen.

Nach der misslungenen Vierschanzentournee gilt es Aufbauarbeit zu leisten. „Wir müssen die nächsten Weltcupspringen nutzen, um uns für Sotschi in eine Position zu bringen“, sagte Bundestrainer Werner Schuster. So haben sich zuletzt bei seinen Springern im Absprung Fehler eingeschlichen. „Wir heben nicht mehr so ab, wie wir das eigentlich können“, sagt der Cheftrainer. Er hofft, schon beim Skifliegen am Kulm auf Besserung. Der junge Karl Geiger ist wieder herausgenommen worden aus dem Weltcupteam, das Sapporo auslassen wird. „Stattdessen werden wir ins Training gehen, einige Materialtests machen und in Willingen wieder in den Wettkampf gehen“, skizziert Schuster das Programm bis Sotschi.

Zwei Medaillen haben sich die deutschen Skispringer bei Olympia vorgenommen, eine in einem der Einzelwettbewerbe und eine im Teamwettbewerb. „Im Moment ist eine Medaille im Einzel nicht möglich“, gibt Werner Schuster zu, „aber es war in dieser Saison schon möglich und es wird auch wieder möglich sein.“ Die Medaillenchancen im Einzelspringen sind auch der Hintergrund für seine Nominierung. Alle vier nominierten deutschen Athleten standen in dieser Saison schon bei einem Weltcupspringen auf dem Podest. Auch Richard Freitag. „Und darum geht es bei Olympia“, sagt Werner Schuster.

Die Vierschanzentournee aber war ein Rückschritt für das ganze Team. „Wir hatten einige schwarze Tage und haben unsere Ziele klar verfehlt“, sagt Werner Schuster. Wieder hat sich gezeigt, dass er noch keinen konstanten Siegspringer in seinem Team entwickeln konnte. „Man braucht auch die Leute dafür“, sagt der Bundestrainer, „wir haben ein paar Leute, aber den letzten Schritt müssen die Athleten auch selber tun.“ Er fühlt sich als Verlierer, ist dabei allerdings mit den Polen, Norwegern und dem gescheiterten Tourneefavoriten Gregor Schlierenzauer in guter Gesellschaft.

Von seinen ehrgeizigen Zielen bei den Olympischen Spielen will er trotzdem nicht abrücken. Sogar die Goldmedaille im Teamspringen hält er weiterhin für möglich. „Es ist legitim, sich hohe Ziele zu setzen“, sagt er, „warum sollen wir nicht an einem guten Tag auch Gold holen?“ Denn schlechte Tage hat das deutsche Team in dieser Saison schon einige hinter sich. Benedikt Voigt

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