Sport : Schwarzer Freitag

Die Basketball-Euroleague will mit ihren Ansetzungen in dieser Saison der Champions League der Fußballer aus dem Weg gehen.

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Kein Auge für den Fußball. Nach dem Willen der Euroleague sollen Sportfans sich ganz auf Basketball konzentrieren, wie hier Tel Avivs Hickman (l.) und Malagas Calloway.Foto: AFP
Kein Auge für den Fußball. Nach dem Willen der Euroleague sollen Sportfans sich ganz auf Basketball konzentrieren, wie hier Tel...Foto: AFP

Berlin - Alle Sportarten in Europa verbindet eine Regel: Wenn du erfolgreich sein willst, darfst du dich nicht mit dem Fußball anlegen. Wer Aufmerksamkeit, volle Hallen und Fernsehzuschauer will, kann seine Spiele nicht zeitgleich mit großen Fußballveranstaltungen ansetzen. Deshalb hat die Basketball-Euroleague seine Spieltage in dieser Saison auf Donnerstag und Freitag verlegt, vorher spielten die besten Mannschaften Europas am Mittwoch und Donnerstag. „Wir wollen der Champions League der Fußballer aus dem Weg gehen“, gibt Euroleague-Präsident Jordi Bertomeu zu. „Der Freitag ist ein relativ leerer Tag, was Sportveranstaltungen angeht.“ Für die Basketball-Bundesliga (BBL) allerdings hat die Verlegung auch unangenehme Folgen.

Gestern traten beispielsweise sowohl die Baskets Bamberg (in Barcelona) als auch Alba Berlin (in Siena) in der höchsten europäischen Spielklasse an, die Spiele waren bei Redaktionsschluss noch nicht beendet. Bereits am Sonntag müssen beide Klubs in der Bundesliga aber schon wieder um Punkte kämpfen. „Wir müssen unseren Spielplan eben entsprechend anpassen“, sagt BBL-Sprecher Dirk Kaiser. „Das führt mitunter zu Härten.“ Die BBL versucht, seinen Euroleague-Teams nach Auswärtsspielen in Europa in der Regel zumindest Heimspiele in der Bundesliga zuzuordnen. Das gelingt nicht immer: Während Alba am Sonntag Hagen empfängt, müssen die Bamberg nach Quakenbrück reisen. Die Spielplan-Terminierung ist für die BBL eigentlich kompliziert genug, seit der vergangenen Saison vertraut die Liga dabei einem Computerprogramm, das unter anderem Hallenverfügbarkeiten, Heimspiel-Wünsche der Vereine, mögliche Derbys und eine optimale Verteilung telegener TV-Begegnungen berücksichtigt. Jetzt mussten auch noch Freitagsspiele inklusive der Reisezeiten eingeplant werden.

Gewünscht hat sich die Basketball-Bundesliga diese neue Entwicklung sicher nicht. Allerdings kann sie als Mitglied der Euroleague auch nichts gegen derartige Änderungen tun. „Die Euroleague ist ein Konglomerat aus vielen Ligen mit vielen unterschiedlichen Interessen“, sagt Dirk Kaiser. „Wenn die meisten Mitglieder den Freitag als Spieltag wollen, müssen wir uns fügen.“ Wenigstens sind die beiden anderen europäischen Wettbewerbe, der Eurocup und die Eurochallenge, noch nicht auf die Idee gekommen, den Freitag für sich zu entdecken.

Für Jordi Bertomeu und die Führung der Euroleague hat die Spielplan-Änderung noch einen weiteren Vorteil. „Der Freitagabend gehört ja fast schon zum Wochenende“, sagt Bertomeu. „Wir wollen Familien und Kinder erreichen, da ist Freitagabend ein guter Termin, weil es am Samstag keine Schule gibt.“ Gestern allerdings ging der Plan der Basketballer nicht auf: Die Freitagsspiele der deutschen Klubs kollidierten doch mit dem Fußball. Die Champions League spielte nicht, dafür lief ein voller Spieltag in der WM-Qualifikation. Lars Spannagel

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