Schweden - Spanien 1:2 : Spanien als Gruppensieger im Viertelfinale

In einem schwachen Spiel hält Schweden lange das Unentschieden - bis der spanische Stürmer David Villa in der zweiten Minute der Nachspielzeit den Siegtreffer erzielt. Schweden reicht am Mittwoch ein Unentschieden gegen Russland, um ins Viertelfinale einzuziehen.

EURO 2008 - Schweden - Spanien
Die Überflieger. Sergio Ramos springt vor Freude auf die beiden Torschützen David Villa und Fernando Torres (ganz unten).Foto: dpa

Die Nachspielzeit lief schon. Eigentlich ging nichts mehr. Der lange Pass der Spanier aus der Abwehr ähnelte schon mehr einem Befreiungsschlag. Nicht aber für David Villa. Der Torjäger der spanischen Nationalmannschaft erlief den Ball, fackelte nicht lange und schob ihn an Andreas Isaksson vorbei ins Netz. Durch dieses Tor siegte Spanien 2:1 (1:1) gegen Schweden und hat mit sechs Punkten aus zwei Spielen in der Gruppe D die Teilnahme am Viertelfinale so gut wie sicher. Dank Villa. Der hat nunmehr schon vier Treffer bei dieser EM erzielt. "Wir hatten Glück, dass Villa noch das späte Tor gemacht hat", sagte Spaniens Trainer Luis Aragones. Seine Mannschaft steht nun bereits als Gruppensieger fest und zieht ins Viertelfinale ein. Das Spiel gegen Griechenland am Mittwoch hat keine Bedeutung mehr. Schweden spielt gegen Russland um den Einzug in die nächste Runde - wegen des besseren Torverhältnisses reicht den Schweden dabei ein Unentschieden.

Die Spanier hatten am Samstag anfangs das Spiel bestimmt. Vor allem über die rechte Angriffsseite versuchte Fernando Torres immer wieder, Kerben in die dichte Abwehr der Schweden zu schlagen. Doch Torres ließ bei vielen gefährlich anmutenden Situationen die letzte Konsequenz vermissen. Mit einer Ausnahme: Nach einer geschickten Eckballvariante der Spanier nutzte er eine Vorlage von David Silva per Kopf zur frühen Führung. Ein Tor, das Positives bewirkte – allerdings nur bei den Schweden. Die Blau-Gelben begannen danach ganz allmählich, das Spielgeschehen an sich zu reißen. Die Spanier, zum Auftakt der EM noch stolzer 4:1-Sieger über Russland, wurden plötzlich zu bequem. Da lief keiner einen Schritt mehr als nötig, das Spiel wurde unnötig verlangsamt. An David Villa, gegen Russland als dreifacher Torschütze noch der gefeierte Held, lief das Spiel lange vorbei.

Die Schweden waren schwer ins Spiel gekommen. Manche Aktion ihres Torjägers Zlatan Ibrahimovic wirkten etwas ungelenk. Der Mann von Inter Mailand, als Torjäger bekannt, gilt als unberechenbar. Da hatte er nach nur 30 Sekunden höchste Schwierigkeiten, in aussichtsreicher Position nach einem Pass von Olof Mellberg den Ball unter Kontrolle zu bringen. Die Chance war vertan, nächster Anlauf also: Als Ibrahimovic gut eine halbe Stunde später im gegnerischen Strafraum erneut Probleme bei der Ballannahme offenbarte, fand die Situation ein erheblich besseres Ende. Der 26-Jährige blockte den Ball derart geschickt ab, dass sein Gegenspieler Sergio Ramos ihn vergeblich zu attackieren versuchte. Ibrahimovic kam diesmal zum Torschuss – und traf zum 1:1.

Schweden glänzte nicht, aber Schweden arbeitete. Ruhig, gewissenhaft, abgeklärt. Und wurde mit dem Ausgleich durch Ibrahimovic belohnt. Für den Torschützen war das Spiel allerdings schon zur Pause beendet. Kniebeschwerden hinderten ihn am Weitermachen, für ihn stürmte fortan Markus Rosenberg. Der bei Werder Bremen unter Vertrag stehende Stürmer konnte sich indes kaum in Szene setzen, denn die Schweden verkrochen sich mit Fortdauer des Spiels wieder mehr in der eigenen Hälfte und beschränkten sich darauf, mit konsequenter und konzentrierter Abwehrarbeit den Spaniern das Toreschießen so schwer wie möglich zu machen. "Es ist klar, dass wir mit der Auswechslung von Ibrahimovic enorm an Durchschlagskraft verloren haben“, sagte der schwedische Trainer Lars Lagerbäck.

Luis Aragones hatte nach knapp einer Stunde auf das emotionslose Ballgeschiebe seiner Elf reagiert. Ausgerechnet Xavi vom FC Barcelona nahm er aus dem Spiel, der bis dahin zumindest ansatzweise versucht hatte, eine klare Linie in die eigenen Reihen zu bringen. Die Spanier waren zwar überlegen, von wenigen Ausnahmen mal abgesehen erspielten sie sich keine Tormöglichkeiten. Aber da war ja noch ein David Villa. Lars Lagerbäck war verärgert. „Das war unglaublich bitter. Wir hätten eigentlich einen Freistoß vor dem entscheidenden Tor bekommen müssen", sagte er.

Spanien steht als Gruppensieger nun ebenso fest wie Holland, Portugal und Kroatien. (Tsp)

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