Sport : SCHWEDEN

Alle Klischees erfüllt: Hier holt der Justizminister seine Kinder um 16 Uhr ab – und der Trainer ist ein ehemaliger Kriminalkommissar

Das Gerücht, Schweden habe in vielerlei Hinsicht Vorbildcharakter, hält sich in Deutschland hartnäckig. Teils ist das auch berechtigt. Für viele Unternehmen etwa ist selbstverständlich, dass Kindererziehung und -betreuung nicht nur Sache der Mütter sind – man geht davon aus, dass Kinder auch einen Vater brauchen, der am Aufziehen des Nachwuchses nicht nur finanziell beteiligt ist. Ex-Justizminister Thomas Bodström etwa nahm in jeder zweiten Woche keine Termine nach 16 Uhr an, weil ihm dann die Aufgabe zufiel, die Kinder in der Tagesstätte abzuholen. So hat sich das skandinavische Land in Sachen Gleichberechtigung schon früh profiliert. Nicht zuletzt zeigt sich das auch beim Frauenfußball. Den ersten EM-Titel überhaupt gewannen 1984 die Schwedinnen, dreimal erreichten sie das EM-Finale, 2003 auch das WM-Endspiel und unterlagen Deutschland in der Verlängerung.

Die nationale Liga Schwedens, die Damallsvenskan, vermarktete sich vor der Gründung der amerikanischen Women Professional Soccer League (WPS) im Jahr 2009 gern als beste Liga der Welt. Und tatsächlich spielten hier viele der Besten: Vor allem Marta stand von 2004 bis 2008 in Diensten des Umeå IK. In der Weltrangliste rangieren Schwedens Kickerinnen derzeit auf Platz fünf und haben mit Sara Thunebro, Jessica Landström (beide Frankfurt) und Antonia Göransson (Hamburg) drei Vertreterinnen, die in der Bundesliga aktiv sind. Trainer Thomas Dennerby erfüllt übrigens auch ein Schwedenklischee – er ist ein ehemaliger Kriminalkommissar.

Das Goethe-Institut beurteilt für den Tagesspiegel die Rolle der Frau in den WM-Ländern.

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