Sport : Schweig’ für immer!

Robert Ide

Nun auch Bjarne Riis. Nun auch ein ausländischer Fahrer des Teams Telekom. Nun auch ein Mannschaftskapitän. Nun auch ein Sieger der Tour de France.

Die Welle der Doping-Geständnisse im Radsport erreicht Tag für Tag einen neuen Höhepunkt. „Es ist an der Zeit, die Karten auf den Tisch zu legen“, hat der dänische Tour-Sieger Riis am Freitag in Kopenhagen gesagt und nach vielen Jahren doch noch die Wahrheit ausgebreitet: Auch ich habe gedopt.

Auch ich. Das impliziert eine andere Frage: Du auch?

Die Frage richtet sich mit jedem weiteren Tag drängender an Jan Ullrich, das Gesicht des Teams Telekom, das Gesicht des deutschen Radsports – auch er ein ehemaliger Mannschaftskapitän, auch er ein ehemaliger Tour-Sieger. Seine DNS stimmt mit Blut überein, das beim spanischen Dopingarzt Fuentes gefunden wurde. Doch auf die vielen Fragen der Öffentlichkeit und seiner letzten Fans will Ullrich keine Antwort finden.

Alle warten auf ein Geständnis. Doch selbst wenn sich Ullrich jetzt noch äußern sollte, käme er zu spät. Zu viel ist passiert – oder besser, zu wenig: Ullrich hat seinen Anwalt gefeuert, nachdem der es als entlastend für seinen Mandanten dargestellt hatte, dass doch irgendwie alle gedopt haben. Er geht juristisch gegen den Abgleich von Beweismitteln vor. Er verliert auf seiner Homepage keinen Buchstaben zu den jüngsten Enthüllungen seiner Mannschaftskameraden.

Ich auch. Vielleicht hat Ullrich ja Angst, mit einer solchen Aussage das sportliche Bild von sich zu zerstören. Doch es ist längst kaputt.

Eigentlich braucht Jan Ullrich gar nichts mehr zu sagen. Sein Schweigen ist nicht zu überhören.

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