Sport : Schweigsame Schalker

Verletzungen werden nicht mehr bekanntgegeben

Jörg Strohschein[Gelsenkirchen]

Es war längst zur Gewohnheit geworden, dass die Leiden der Fußballprofis in die Welt hinausgetragen wurden, damit sich die Fans ein genaues Bild von den Qualen der Spieler machen konnten. Diesen stetigen Informationsfluss hat der FC Schalke 04 seit Beginn der Saisonvorbereitung im Juni unterbrochen. Neuigkeiten über Blessuren und mögliche Ausfallzeiten wird es von offizieller Seite nur noch dann geben, wenn der Spieler sein Einverständnis dazu gibt. „Wir haben nun klare Verhältnisse geschaffen“, sagt Schalkes Pressesprecher Gerd Voss. Der vor der Saison verpflichtete Mannschaftsarzt Bernd Brexendorf hatte dieses Thema kurz nach seinem Dienstbeginn zur Diskussion gestellt, da er in der Veröffentlichung der Krankengeschichte den Grundsatz der ärztlichen Schweigepflicht verletzt sah. „Es hat Spieler gegeben, die berufliche und private Probleme bekommen haben. Sie haben mitunter Schwierigkeiten, eine Versicherung zu finden“, sagt Trainer Mirko Slomka.

Erstmals offenkundig wurde das Schweigegelübde, als sich Sören Larsen in der Vorbereitung einen dreifachen Rippenbruch zuzog und dieVerletzung vom Trainerstab bagatellisiert wurde. Larsen selbst hatte der dänischen Presse mitgeteilt, was ihm widerfahren war.

Seit Jahren beschäftige man sich schon mit diesem Thema und das Eis, auf dem man sich bewegt habe, sei von Jahr zu Jahr dünner geworden, sagt Voss. Schon früher habe es namhafte Spieler in Schalke gegeben, die nicht gewollt hätten, dass Einzelheiten über ihreVerletzung bekannt gegeben würden. Zwar habe es auch damals in besonderen Fällen Absprachen mit den Spielern gegeben, doch in der Mehrzahl sei das stumme Einverständnis der Profis vorausgesetzt worden. Dies sei in Zeiten, in denen Juristen immer mehr Einfluss auf Spieler und Klubs nähmen, so nicht mehr zu machen. Ohnehin sei es in einigen Bundesligaklubs mittlerweile üblich, dass Informationen über Verletzungen nicht mehr veröffentlicht werden. „Diese Vereine haben das nur noch nicht so publik gemacht wie wir“, sagt Voss.

Und so dürften sich die Schalker darauf einstellen, dass in der Öffentlichkeit zunehmend Spekulationen über den Gesundheitszustand eines Spielers entstehen werden. „Das können wir nicht verhindern. Diesen Druck müssen wir dann aushalten“, sagt Mirko Slomka. Der Schalker Fußballlehrer ist der einzige Kluboffizielle, der von Arzt Brexendorf über den Gesundheitszustand und die Schwere der Verletzung informiert wird.

Allerdings wolle man von Seiten des Klubs alles tun, um den Fans auch künftig Informationen zukommen zu lassen. „Man kann davon ausgehen, dass die meisten Spieler auch weiterhin Auskunft geben“, sagt Voss. Für Mirko Slomka gilt künftig der Grundsatz: „Wenn ein Spieler einverstanden ist, werde ich etwas sagen. Wenn er mich nicht von der Schweigepflicht entbindet, dann eben nicht.“

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