Schweinegrippe : Der Sport ist nicht immun

Nach der Schweinegrippe-Erkrankung von Thomas Haas streiten Athleten und Ärzte über die Impfung.

Dominik Bardow
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EPA

Berlin - Keine zwei Wochen nach seiner Erkrankung an Schweinegrippe will Thomas Haas schon wieder die ersten Bälle schlagen. „Ich bin erleichtert, dass ich wieder auf den Platz gehen kann“, sagte der Tennisprofi vor dem ersten Trainingsversuch am Dienstag. „Die Symptome hat Haas relativ schnell überwunden, was seiner gesundheitlichen Fitness geschuldet ist“, urteilt Erich Rembeck, Teamarzt der deutschen Davis-Cup-Mannschaft. Spitzensportler seien widerstandsfähiger, so dass der Verlauf der Erkrankung in den meisten Fällen sehr viel kürzer und meist auch weniger heftig ist.

Kann die Grippe Leistungssportlern tatsächlich weniger anhaben als dem Rest der Bevölkerung? 

„Ich kann nicht feststellen, dass Spitzensportler nach Grippen schneller wieder auf die Beine kommen“, widerspricht Elke Neuendorf, die als Sportärztin die Bundeskader am Olympiastützpunkt Berlin betreut. Junge, gesunde Menschen überstünden Infekte generell leichter. Doch der Sport kann dabei auch hinderlich sein: „Leistungssportler fangen sich schneller mal einen Infekt ein als Breitensportler.“ Gerade die ersten beiden Stunden nach intensiver Belastung seien gefährlich, da das Immunsystem stark belastet sei. Zudem sind Spitzensportler durch Reisen und Wettkämpfe ständig unter Menschen und stecken sich leichter an. Wichtig ist laut Neuendorf, dass sich die Athleten während der Grippe schonen. Tun sie das nicht, kann das zu Herzmuskelentzündungen führen, im schlimmsten Fall sogar zum plötzlichen Herztod.

Gegen normale Grippen impfen die Ärzte am Olympiastützpunkt regelmäßig, in letzter Zeit fragten vermehrt Sportler an, ob auch gegen Schweinegrippe geimpft werde, berichtet Neuendorf. „Noch aber haben wir keine Erfahrungen mit Schweinegrippe.“ Die Sportärztin überlässt jedem selbst die Entscheidung, ob er sich impfen lassen möchte. „Ich halte jedoch niemanden davon ab.“

In anderen Ländern hat die Schweinegrippe längst den Sport erfasst. Der spanische Zweitligist Betis Sevilla sagte wegen 13 infizierter Spieler das Training und ein Punktspiel ab. Der frühere deutsche Nationalspieler David Odonkor nahm am Dienstag wieder das Training auf und erhielt dabei eine Schulung über richtiges Verhalten zur Vorbeugung. In England und Frankreich sind die Erstligisten Blackburn Rovers und Paris St. Germain mit je drei erkrankten Spielern betroffen. In Rumänien hat der Fußballverband den Spielern sogar verboten, auf das Spielfeld zu spucken. Sportmedizinerin Neuendorf empfindet das als sinnvolle Maßnahme: „Grippen sind Tröpfcheninfektionen und Spucken ist unhygienisch.“ Wettkämpfe oder Mannschaftstraining abzusagen hält die Ärztin dagegen für überzogen. „Ich würde die erkrankten Spieler nach Hause schicken oder auf Reisen in einem Einzelzimmer isolieren, das reicht“, sagt sie.

Laut spanischer Medien empfiehlt der Bürgermeister von Kiew, das heutige Champions-League-Spiel von Dynamo Kiew gegen Inter Mailand vor leeren Rängen auszutragen. In der Ukraine sind 70 Menschen an dem Virus gestorben.

In Deutschland sind die Folgen bislang keineswegs so dramatisch. Wohl auch deshalb stehen die Berliner Profivereine einer Impfung noch zögerlich gegenüber. Alba Berlins Mannschaftsarzt Gerd-Ulrich Schmidt hat die Basketballprofis ausdrücklich aufgefordert, sich vorerst nicht gegen die Schweinegrippe impfen zu lassen. Er will erst abwarten, welche Nebenwirkungen in den nächsten Wochen bekannt werden. Schmidt sagt, er habe sich mit Herthas Mannschaftsarzt Ulrich Schleicher ausgetauscht, „wir ziehen an einem Strang“. Hertha hatte ursprünglich seinen Spielern die Impfung empfohlen. Einen Zwang gibt es jedoch nicht. „Das muss jeder Spieler selbst entscheiden“, sagt Trainer Friedhelm Funkel. Auch Christian Beeck, der Sportdirektor des 1. FC Union, erklärt: „Die Impfung können wir keinem Spieler vorschreiben.“ Die Eisbären dagegen sind noch ratlos. „Wir setzen uns nächste Woche mit dem Mannschaftsarzt zusammen, wenn alle Spieler wieder da sind“, sagt Vereinssprecher Daniel Goldstein. Das betrifft vor allem Jeff Friesen, Stefan Ustorf und Trainer Don Jackson, die während der Länderspielpause der Deutschen Eishockey-Liga nach Nordamerika gereist sind.

Für Jürgen Bentzin, Teamarzt der Füchse Berlin, besteht noch kein Anlass zum Impfen. Wichtig sei es, Gefahren bewusst zu begegnen. „Zum Beispiel im Korber-Zentrum, wo viele Sportler die Trainingsgeräte anfassen, sollte man sich öfter die Hände waschen und das eigene Handtuch benutzen“, sagt er. Dass man sich beim Niesen die Hand vor den Mund halte, sei ja ohnehin selbstverständlich.

Mitarbeit: amy, heit, ru, ks, sth

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