Sport : Schweinsteigers Zuspätwerk

Benedikt Voigt

Er trug eine breite Sonnenbrille, als er auf dem Flughafen Tempelhof aus dem Flugzeug kletterte, und er setzte sie auch bei der Feierstunde am Brandenburger Tor nicht ab. Bastian Schweinsteigers Nacht dürfte sehr kurz gewesen sein, kein Wunder, nach dieser überragenden Leistung gegen Portugal. Wer zwei Tore schießt und das dritte irgendwie auch, hat mindestens zweieinhalb Gründe ausgiebig zu feiern. Bastian Schweinsteiger darf es genießen, er ist der umjubelte Held des Spiels um Platz drei. Seine beste Leistung in diesem Turnier wirft allerdings auch eine Frage auf: Warum nicht früher?

Weil zwischen dem Halbfinale und dem Spiel um Platz drei ein Meer aus Tränen liegt. Nach der großen Enttäuschung haben beide Teams auf ihre jeweils besten Spieler verzichtet. Das Duell der Trauernden gewinnt meistens jenes Team, das mehr Lust auf Fußball verspürt. Dass dies in Stuttgart die deutsche Mannschaft war, überrascht nicht, hatte sie doch das euphorisierte Land, den Motivator Jürgen Klinsmann und eine unglückliche Niederlage im Rücken. Und in Bastian Schweinsteiger einen Spieler, der die Lücken in der Abwehr geschickt zu nutzen wusste. Plötzlich öffneten sich Freiräume, die es zuvor nicht gegeben hat. Erst recht nicht im Halbfinale, als es gegen die Signori Zambrotta, Cannavaro, Materazzi und Grosso ging.

Das Spiel um Platz drei aber war wie zugeschnitten auf Bastian Schweinsteiger. Er hat eine gute Weltmeisterschaft gespielt, und es wird nicht seine letzte gewesen sein. Bis 2010 muss er eigentlich nur noch lernen, auch dann zu treffen, wenn es am wichtigsten ist.

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